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Li Shan Gui Fei Blossom & Rain

16.01.2017 11:47 von Helmut Volkmann

 

 

 

 

 

 

 

Li Shan Gui Fei Blossom & Rain

 

Kurz vor Weihnachten trafen neue Oolongtees aus Taiwan ein. Zwei Tees konnte ich flüchtig probieren. Beim Li Shan Gui Fei Blossom & Rain herrschte für einen kurzen Moment Ruhe in meinem arbeitsamen Alltag und es schien, als ob das Teehaus auch etwas heller war als sonst. An den Feiertagen nahm ich mir Zeit zum richtigen Probieren des Tees, zum Entblättern seiner Schichten, zum Freilegen des Kunstwerks.

 

Im ersten Aufguss wirkt der Tee aus den hohen Li Shan Bergen dicht und komplex wie ein heißer Regentag, ein Gewirr von Blüten und Düften. Er wirkt kompakt und verschlossen, satt, feucht und reich. Im zweiten Aufguss entfalten sich die Blütendüfte. Es sind schwere, kühle Düfte, Jasmin in der Nacht und etwas von bittersüßer Lilie. Darüber liegt die Feuchtigkeit nasser Blätter und sonnendurchtränkten Laubwerks. Im dritten und vierten Aufguss wird der Li Shan fragiler, blütenreicher und süßer. Ich schmecke die Eleganz und das Fruchtige eines Gui Fei, also eines Oolong, dessen Blattgut von Zikaden angefressen wurde. Schicht für Schicht entdecke ich Farbnuancen, die meine volle Aufmerksamkeit beanspruchen: ein tiefes Kobaltblau, ein mattschimmerndes Gold. Nach der süßen Opulenz kehrt Stille ein.

 

Über die Weihnachtsferien las ich J.L. Carr, „Ein Monat auf dem Land“. Der kurze Roman spielt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und erzählt die Geschichte eines jungen Restaurators, der einen ersten Auftrag erhält. In einer kleinen Dorfkirche in England soll er ein Deckengemälde restaurieren. Es ist die Geschichte der Entdeckung eines großen Kirchengemäldes durch einen jungen Mann, der, den Kriegswirren entkommen, sich neu erfährt in der Versenkung in die tägliche Arbeit des Säuberns und Wiederherstellens. Mit jeder Schicht aus Ruß und Paraffin, die er von dem Gemälde abnimmt, kratzt er eine Schmutzschicht seines früheren Lebens ab und legt Neues frei. In der Stille seiner Arbeit entdeckt er das Leuchten, die Kraft der Naturfarben und die wunderschöne Pinselführung des alten Meisters.

 

Beim Probieren von Gui Fei mit einem Freund fiel mir diese Geschichte wieder ein. Das Probieren großer Tees gleicht oft dem Freilegen verdeckter und verborgener Farben, Gesichter und Lichter. Es braucht die Geduld und die Aufmerksamkeit für den Moment. Eine wunderbare Übung der Achtsamkeit im Alltag.

 

PS: Eine sehr eigene Liebesgeschichte hat der Roman von J.L. Carr übrigens auch.