Am Vormittag besuchen wir das Papiermuseum in Taipeh. Im 4 Stock erhalten wir eine kurze Einweisung über die Produktion von handgeschöpftem Papier. Hier werden Nadelbaumfasern benutzt. Handgeschöpftes Papier ist extrem langfaserig und locker strukturiert. Maschinell hergestelltes Papier ist kurzfaserig und dichter.
Ein Ort in den Bergen vor Taipeh. Wir fahren 45 Minuten mit der U-bahn in einen Vorort von Taipeh. Dann noch einmal 15 Minuten mit dem Taxi in die grünen Berge.

Einen kleinen Schlenker nach links zeig uns Google an. Wir zeigen es dem Fahrer. Fast ein kleiner Feldweg, dann sind wir da.
Es ist früher Morgen in dem kleinen Dorf bei Mingjian. Wir gehen von unserer kleinen Landunterkunft aus zu Fuß zur Teafactory. Es ist schon recht warm. In der Factory riecht Atong Chen kurz an den frisch oxidierten Blättern. Er scherzt: ich glaube ich habe gestern Zucker darauf getan. Er stubst unsere chinesische Teefreundin Xiaobin mit der Nase in die unfassbar duftenden Teeblätter. Der Duft changiert zwischen grünen aber reiferen Bananen und süßen herrlichen Äpfeln. Die Blätter sind seit 11.30h ruhig oxidiert. Die Witterung ist stabil geblieben.
Heute geht's nach Mingjian zur Produktion von Oolong. Die Fahr mit dem Bus dauert von Taipeh aus etwa zwei Stunden. Es geht Richtung Süden. Die nächstgrößere Stadt ist Nantou.

Ich wache kurz vor Sonnenaufgang auf mit einem Alptraum, der mich rastlos doch die Straßen rasen läßt. Draußen ein wild beginnendes Konzert der Tropenvögel. Zwei Hähne im eifrigen Wettstreit miteinander. Die haben bestimmt schon früher angefangen. Über den Wipfeln des Regenwalds steigt schnell die Sonne auf.
Wir fahren nach Ylang im Osten der Insel am Pazifik gelegen. Die Gegend um Yilan ist berühmt für opulenten Gemüseanbau. Es werden auch sehr schöne, etwas leichtere elegante Oolong hier produziert. Heute sind wir zu Gast beim dem Galeristen und Kunstexperten für Ixingkannen Jie. Wir trafen Jie im letzten Jahr in Frankfurt. Dort hat er uns eingeladen auf das Anwesen seines Familienclans. Wir fahren durch Yilan -Stadt und kurz nach dem Ortsausgang biegen unsere Taxis rechts ab in die Felder. Kurz vor dem Regenwald halten wir. Anwsen war wirklich nicht untertrieben. Ein Komplex aus mehreren Gebäuden, ineinander verschachtelt, ein großer Swimmingpool, ein großer künstlich angelegter Teich mit Wasserlilien.
Die Häuser sind im gemischt westlichen und chinesischem Stil eingerichtet. Angekommen bei Meister Jie.
Es ist Sonntagnachmittag. Die Luft ist extrem schwül und stickig. Die Temperatur liegt knapp unter 30 Grad. Angekommen in Taipeh, natürlich nach 13 Stunden Flug und sehr wenig Schlaf. So ist das eben. Blick von der kleinen Gasse, in der das Büro von Teemeister Atong Chen sich befindet, auf den 101-Tower. Es ist das Wahrzeichen der Stadt und immer noch eines der höchsten Gebäude der Welt mit 101 Stockwerken. Doch so begann unsere Reise nicht.

2018/ 13 Teataste & Sunrise

Es ist 3:10h am frühen Morgen. Oder sollte ich besser sagen, mitten in der Nacht? Unsere beiden Handys klingeln nahezu gleichzeitig. Eigentlich ist heute Reisetag, zurück nach Kyoto, dann zurück nach Osaka-Kansei, Flug nach Taipeh, für Jiri noch zwei Tage Taipeh, für mich geht es direkt nach Frankfurt. Aber, die Teebörse hat seit zwei Tagen geöffnet. Kohei hat uns eingeladen heute früh mit zu probieren. Er holt uns um 3:29h ab. (s. Foto Armaturenbrett Toyota)
Heute besuchen wir zwei wirkliche Großmeister des Tees, Meister Tohei in Okabe. Er ist für grandiose Gyokuros bekannt, und Meister Ota in Tenryu. Von Meister Ota haben wir im Moment einen sensationellen Gyokuro im Sortiment. Ansonsten ist er mehr für seinen Wettbewerbssieger im Segment Sencha bekannt. Das Wetter ist gut, es ist warm, selbst hier in den Bergen.
Wir werden von H.san an unserem Hotel abgeholt und fahren zunächst einmal vor die Tore der Stadt Kakegawa. Mitten in den Teefeldern, in den Bergen von Kakegawa. Shincha 2018.

Das Grün der frühen Teeblätter ist eine wahre Freude. Es hat eine unbeschreibliche Intensität. Ich verstehe, warum man in Japan den frühen Tee so sehr verehrt. Es ist der Inbegriff von Wachstum und Frische. Es ist die Farbe, die den Winter vertreibt. Es ist ein Gefühl von Freiheit und Freude.
Der heutige Tag beginnt mit einem Gang zur Bank. An und für sich nichts außergewöhnliches im Ausland.
Man geht in eine Bank, legt sein Geld auf den Tresen, zeigt seinen Paß, füllt ein Formular aus, bekommt die heimische Währung und geht wieder hinaus. Aber, wir sind in Japan. Die Bankautomaten scheinen die Kreditkarte nicht zu akzeptieren.
Wir probieren es einige Male. Kein Erfolg. Das kennen wir von den Reisen aus Taiwan und China. Manchmal geht es, manchmal nicht. Also wechseln wir das Bargeld, das wir vorsorglich mitgebracht haben. Jiri reist sowieso ohne Pin, das heißt er bekommt auch über den Automaten nichts.
Wir verlassen Kyoto mit dem Elf-Uhr-Shinkanzen Richtung Nagoya. Dann fahren wir weiter nach Toki. Toki ist neben Tajima und Seto das Zentrum der Mino-Keramik in Japan. Wir so so zeitig in Toki, das wir noch nicht einchecken können. Also lassen wir die Koffer im Hotel und nehmen ein Taxi zu einem Präsentationszentrum für Keramik dieser Region. Es liegt in den Bergen, einige Kilometer von Toni entfernt. Wir steigen aus, es ist eine herrliche Waldlandschaft, es scheint die Sonne, die Vögel tirilieren. Gezahlt, das Taxi wartet zunächst, dann fährt der Fahrer ganz langsam weg. So langsam, das ich ihr fast noch hinterher rufen will.
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