
Wir konnten einige Tees des koreanischen Teehauses Wuweisanfang (無爲山房 / WWSF) einkaufen. Der Mensch hinter dem Label, Herr Oh, bereist schon seit den 1990er-Jahren die Teeregionen Yunnans. Erst seit den 2000ern presst er jedoch seine eigenen Tees. Intensive, langjährige Kontakte zu Produzenten in Manzhuan, Yiwu und Yibang erlauben es ihm, hochwertiges und gut produziertes Blattgut von gesunden Bäumen einzukaufen und dieses transparent zu benennen. Die meisten seiner Tees kommen daher mit nahezu 0 % Füllmaterial aus und sind von außerordentlicher Qualität.
WWSF differenziert zwischen verschiedenen Produktlinien. Die „Private Collection“ (私藏, Si Cang) umfasst dabei die Flaggschiff-Tees der Marke. In Zukunft hoffen wir, einige dieser Tees anbieten zu können. Für den Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir jedoch Tees aus der „Arbor“-Serie sowie der „Special Production“-Serie eingekauft. Die Arbor-Serie umfasst Tees von Bäumen mittleren Alters, die etwa 80–120 Jahre alt sind. Bei den Special Productions handelt es sich um Pressungen von alten Bäumen, die aus langjährigen Quellen Herrn Ohs stammen. Diese Tees liegen für WWSF knapp unterhalb der Si-Cang-Linie.
In der Vergangenheit wurden WWSF-Tees als Spezialproduktionen unter dem Label Xiangming GuDianMan Tea Factory (XMTF) verkauft. Dies liegt daran, dass viele Tees von Herrn Oh in dieser Produktionseinheit gepresst wurden. Ein separater Blogbeitrag fasst die Hintergründe der Marke weiter zusammen.
Dieser Tee stammt aus der Special Productions-Linie. Es handelt sich um Material von über 150 Jahre alten Bäumen aus der ersten Frühlingsernte, das nach dem Pressen in Südkorea gelagert wurde. Diese Bäume wachsen in Luode, einem Weiler in der Yiwu-Region. Luode ist eines der abgelegensten Gebiete Yiwus und zeichnet sich durch eine gut erhaltene natürliche Umwelt aus. Die Gesundheit der Bäume und die gekonnte Verarbeitung des Blattmaterials sind in diesem Tee deutlich spürbar.
In der Nase zeigt sich das nasse Blatt von einer leichten Rauchigkeit, umgarnt von Noten heller Trockenfrüchte. Der Aufguss hingegen schmeckt hell und frisch. Eine mineralisch geprägte Süße erfüllt den Mundraum und geht über in dezente Noten von Zuckerrohr und Frucht. Die Textur des Tees ist von beachtlicher Dichte. Ein leicht öliger Film benetzt Mund und Rachen, während sich eine feine Bitterkeit an den hinteren Rändern der Zunge bemerkbar macht.
Nach dem Schlucken bildet sich Speichel unter der Zunge (生津). Ein langer, fruchtiger Nachgeschmack breitet sich mit wärmender Strahlkraft in Mund und Brustraum aus.
Im Verlauf der Aufgüsse suchten wir vergebens nach der anfänglichen Rauchnote. Sie weicht offenbar einer dezenten Nussigkeit. Die ausgeprägte Süße und Textur des Tees bleiben über alle Aufgüsse hinweg konstant erhalten. Hinzu gesellt sich eine nahezu alkoholisch anmutende Fermentationsnote.
Der Kern des Tees ist von erstaunlicher Ausdauer und gibt eine imposanten Mineralität zu erkennen, die mit einer leicht krautartigen, medizinischen Süße einhergeht. Gepaart mit dem fast nährend erscheinenden Körpergefühl dieses Tees bleibt er auch nach zehn Aufgüssen interessant zu trinken. Wir empfehlen, ihm eine lange und aufmerksame Session zu widmen.