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Neue Ernte aus Shizuoka - Weltklasse

17.08.2018 11:15 von Helmut Volkmann

Wieder zwei neue Weltklasse-Senchas aus Shizuoka. – Seit meiner Reise in diesem Frühjahr mit Jiri Melzer kommen wir an Tees heran, um die wir uns jahrelang bemühten. Eine Überraschung jagt die nächste. Die Tees sind großartig und von unübertroffener Qualität.

Seit längerer Zeit arbeiten wir mit dem Agenten H.san zusammen. An unserem ersten Tag in Kakegawa hatte er nicht viel Zeit, aber er überließ uns das Probierzimmer mit allen Mustern und zwei Assistentinnen. Wir haben bis in den späten Abend probiert.
Es waren die frühen Shincha-Tage und H.san bekam aus allen Regionen Japans Angebote. Sein Handy stand nie still. Auch auf der Fahrt zu Meister Ota am nächsten Tag telefonierte er ständig, weshalb wir zweimal in die falsche Richtung fuhren. – „Sorry, habe gerade drei Tonnen Tee gekauft.“
Jiri und ich hatten am Vortag viele gute Tees probiert und wir haben auch in der Vergangenheit sehr gute Tees kaufen können, aber die Tees, die wir seit dem letzten Besuch bekommen, sind einfach Weltklasse.

Was ist geschehen? – Als ich neulich mit einem befreundeten Schlagzeuger den neuen Ryogochi-Sencha probierte und wir über das Üben sprachen, fiel mir plötzlich der letzte Abend in Kakegawa ein und damit die Antwort auf die Frage: „Holger Czukay“!

Am letzten Abend lud uns H.san in ein kleines Tunfischrestaurant ein, wo ich den feinsten Fisch meines Lebens aß: Tunfisch in kleinen Häppchen auf einem heißen Stein gegart. Wir kamen ins Plaudern, über europäische Filme, über Pasolini, Fellini, Tarkowski. H.san kannte sich unfassbar gut aus. „Kennt ihr Werner Herzog. Ich liebe Kinsiki in Fitzcarraldo!“ Jiri erwähnte, dass ich Musiker sei. Wieder fielen diverse Namen und H.san sagte: „Aber meine Lieblingsband ist Can.“ „Tolle Band“, gab ich zur Antwort, „die kommt aus meiner Stadt Köln. Holger Czukay (Gründer und Leiter von Can) war sehr häufig in meinem Geschäft, ein guter Freund und ein wunderbarer Mensch. Oft haben wir stundenlang über Musik gesprochen. Leider ist er im letzten Herbst gestorben.“ Die Erzählung schlug ein wie ein Bombe. „Du kennst Holger Czukay?“ H.san war fassungslos, fassungslos vor Freude, jemanden zu treffen, der seinen großen Helden gekannt hat.

Ich glaube, es war dieser Moment, der unser Verhältnis und unsere Geschäftsbeziehung verändert hat. Wir teilten die gleichen Leidenschaften, Tee und Musik, und ich kannte Holger Czukay.

In der Nacht hörte ich mit Jiri „Tago Mago“ von Can auf YouTube.
 

2018 Competition Shincha von Meister Ota

26.06.2018 10:57 von Helmut Volkmann



Am frühen Nachmittag verlassen wir das Haus von Teemeister Tohei in Okabe und fahren bei strahlender Sonne und unter tiefblauem Himmel hinauf in die Tenryu-Berge. Dort lebt und arbeitet ein weiterer Star der Shizuoka Teeszene, Teemeister Ota.

Links und rechts des Tenryu-Tals stehen gedrungene Häuschen mit kleinen Gärten für Reis- und Gemüseanbau. „Ten“ heißt Himmel und „Ryu“ Drachen: Himmelsdrache. Der Fluss macht seinem Namen alle Ehre: Breit, reißend und schlammfarben wälzt er sich ins Tal. Die Felder von Teemeister Ota liegen links des Flusses in schon beträchtlicher Höhe.

Nachdem wir uns in dem beengten Gelände zunächst verfahren haben, steht plötzlich ein Mann in knallgelbem Poloshirt und weißem Handtuch um den Kopf mitten auf der Straße und winkt uns. Der berühmte Teemeister Ota persönlich weist uns in die Einfahrt zu seinem kleinen Hof inmitten der Teefelder ein. Über den steilen Feldern wehen lange Karpfenfahnen in rot, blau, grün und gelb. Doch Meister Ota lässt uns keine Zeit, das Idyll zu genießen. Schnell werden die Geschenke übergeben. „Was ist das?“, sagt Ota-san fast mürrisch. „Cognac, so ähnlich wie Whisky“. „Gut, kann ich brauchen.“, sagt er knapp und stellt die Flasche beiseite.

Wir fahren zu einem höher gelegenen Teefeld mit Yabukitapflanzen. Ota zeigt uns mit Stolz die kraftvollen, acht Jahre alten Kultivare. Wunderschöne, gesunde Teepflanzen mit kräftigem Stängel und leuchtend grünen Blättern. Der Boden ist gut gemulcht. Meister Ota arbeitet aus Überzeugung mit organischem Anbau, nicht wegen einer Zertifizierung, sondern weil er einfach den besten Sencha Japans machen will. Tatsächlich gewinnt er Jahr für Jahr bei den National Tea Contests in Tokio die höchsten Preise. Auf einem zweiten Feld, das noch etwas höher liegt, sind die Pflanzen heute beschattet wegen der kräftigen Sonne.

„Morgen werden wir hier von den vierjährigen Pflanzen den Wettbewerbstee 2018 ernten“, erklärt Ota-san. Mit Daumen und Zeigefinger zeigt er den Abstand, mit dem die Blätter gepflückt werden. Hier in den Bergen wird der Tee noch per Hand geerntet, zumindest der Wettbewerbstee. Sechzig Farmer aus der Gegend werden bei der Ernte helfen. Der Ertrag von etwa 75 kg Blättern wird zu etwa 15 kg Tee verarbeitet, zum Meister Ota Tenryu Competition Shincha 2018.

Zurück bei der Farm verabschiedet sich Ota-san schnell von uns. Er muss noch die Pflücker für morgen organisieren. Streng und entschlossen stapft er los Richtung Dorf, ein Tee-Samurai. „Dem möchte ich nicht im Krieg begegnen“, scherzt Jiri Melzer. „Nee“, sage ich, „der pflückt seinen Tee morgen wahrscheinlich mit dem Messer zwischen den Zähnen.“

Wir haben exklusiv für Sie zwei frische Wettbewerbs-Shinchas für Sie von Meister Ota eingekauft.

2018 Tenryu Shincha Yabukita Competition und 2018 Tenryu Shincha Yama No Ibuki Competition.

 

Neuer Tee aus Japan

18.05.2018 12:53 von Helmut Volkmann

Neuer Tee aus Japan

Es ist unser zweiter Tag in Kakegawa, Präfektur Shizuoka. Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein durch ländlich geprägte Vororte. Kakegawa hat ungefähr 120.000 Einwohner, die sich allerdings auf eine Fläche von 260 Quadratkilometern verteilen. Von hier kommen allerbeste grüne Tees, aber auch die weltberühmten Yamaha-Flügel.

Es geht in die Berge. Wir erreichen ein wunderschönes Flusstal, links und rechts Teefelder, die sich bis zu den Bergen hochziehen. Es sind kleine, pittoreske, hellgrüne Farbkleckse im dunklen Bergwald. Wir fahren Richtung Okabe, wo neben Uji und Yame die berühmtesten Schattentees der Welt geerntet werden, Gyokuro. In einem kleinen Dörfchen halten wir an. Die Teefelder, die bis an die Dorfstraße heranreichen, sind teils beschattet für Gyokuro, teils nicht beschattet für Sencha. Von einem Hügel hinter der Dorfstraße sehen wir Felder, die mit schwarzen Kunststoffnetzen bedeckt sind. Die Netze, die an Tarnnetze erinnern, sorgen für die Beschattung der Teepflanzen. Der Schatten verlangsamt und reduziert die Photosynthese, wodurch in den Teeblättern weniger Tannine gebildet werden. Das sorgt für einen süßen, feinen Geschmack des Tees. Das Phänomen wurde bereits vor einigen hundert Jahren entdeckt, wahrscheinlich bei von Bäumen beschatteten Tees. Ein Original-Gyokuro wird sechs Wochen lang beschattet.

Weiter oben auf dem Hügel stehen wir plötzlich vor einem Feld, das mit Reisstrohmatten abgedeckt ist und uns an Fotos der Teeproduktion aus dem vorigen Jahrhundert erinnert. Die Felder sind komplett mit Matten umbaut und bedeckt.

Zu unserer Überraschung steht auf einmal Meister Tohei Maejima vor uns. Unser Gastgeber hatte ihm Bescheid gegeben. Meister Tohei hat eigentlich keine Zeit mitten in der Ernte, aber dann nimmt er sie sich doch für uns. Er erklärt, früher habe man nur mit Reisstrohmatten gearbeitet, nicht mit den Netzen, die heute üblich seien. Er wolle Gyokuro anbauen wie seine Vorfahren. Er habe sogar Reis angebaut nur für das Reistroh, weil er keines kaufen konnte. Die Matten habe er alle selbst geflochten. Kaum Einer verstehe sich heute noch auf das Flechten. Die Matten hielten vier bis fünf Jahre, dann brauche es neue. Tohei demonstriert uns den Unterschied zwischen seinem Feld mit dem Reistroh und dem Feld des Nachbarn mit schwarzen Netzen. Es ist eindrucksvoll: Die Luft zirkuliert unter dem Stroh viel besser, es ist kühler und frischer als unter den Netzen aus Kunststoff, und es kommt mehr Licht durch. Mehr Licht bedeutet weniger Stress für die Pflanzen und doch reicht der Schatten für die Produktion von preisgekrönten Gyokuros.

Tohei Maejima rupft eine Teepflanze ab und erklärt uns noch einen zweiten Aspekt seiner Gyokuro-Philosophie. Er deutet auf die unteren Blätter, die „Elternblätter“, wie er sie liebevoll nennt. Diese müssten kraftvoll und stabil entwickelt sein, sie seien die Basis. Diese Blätter bräuchten eine künstliche Düngung. Sobald aber die oberen Blätter, die „Kinderblätter“ wachsen, stelle er die künstliche Dünung ein. – So kann Gyokuro auch gehen! 180 Tage vor der Ernte und lange vor dem Wachstum der „Kinderblätter“ werden die Pflanzen rein organisch gedüngt.

Noch vollkommen beeindruckt von den Teefeldern Meister Toheis sehen wir später in seinem Wohnzimmer Schränke voller Pokale und Auszeichnungen von Teewettbewerben. Es ist schwer, Tee von Meister Tohei zu bekommen, meist sind die Tees schon vor der Ernte reserviert und ausverkauft. Aber ich versuche es!

Wir haben es gemeinsam mit unseren Freunden aus Japan geschafft. Der Gyokuro Tohei Silver Melody ist heute morgen in Köln eingetroffen.
 

Teezeremonie am letzten Tag.

23.04.2018 12:50 von Helmut Volkmann

 

Kakegawa am letzten Reisetag, nach dem Teatasting vor der Teebörse. Wir sind bei der Frau des Elder Chairman zur Teezeremonie eingeladen. Wir haben uns Koi-Cha gewünscht, einen „dicken“ Tee.
Sie war zunächst erstaunt über unseren Wunsch. Wir erklärten, das wir beide jeden Tag Matcha trinken mit unseren jeweiligen Mitarbeitern. Sie war wieder erstaunt, aber eher erfreut, das die Kunst des Mancha-Trinkens bei uns in Europa so populär ist. Ich erzähle nichts von dem ganzen Chi Chi um Matcha Latte, Matcha mit laktosefreier Milch, Matcha mit Mango etc.

 

Hier der erste Gang der Teezeremonie, KOI-CHA, dicker Tee. Ich beschreibe nur die Grundstationen ohne differenzierte Betrachtung. Das ständige Fotographieren hätte mich um die Freude der Aufmerksamkeit während der Chanoyu gebracht.

Zunächst wird eine Süßigkeit gereicht.

 

 

Die Teeutensilien, Schale (Charan), Besen (Chasen) und Tuch.

 

 

Das sorgfältige symbolische Säubern der einzelnen Teegeräte.

 

 

Das aufmerksame und kunstvolle Falten des Tuchs.

 

 

Es wird eine große Menge Matcha in die dickwandige große Schale gefüllt.

 

 

Das ruhige Einfüllen von Wasser.

 

 

Das Schlagen des KOI-CHA. Es ist ein langsames, ruhiges Rühren, wie ein leichter Sommerwind in den Bäumen klingt der Besen.

 

 

Kohei beim Trinken des KOI-CHA. Er hat noch nie so dicken und dichten Tee getrunken und ist sichtlich überrascht, nein, überwältigt.

 

 

Mutter und Tochter nach der Zeremonie. Sie haben uns natürlich einige Hilfestellungen gegeben, wie man sich in der Zeremonie verhält, Verbeugungen, Höfliche Formulierungen, das Drehen der Schale im Uhrzeigersinn und wieder zurück.

 

 

Einige Schalen aus Ihrer Sammlung. Die großen schwarzen Rakuschalen habe ich sicherheitshalber nicht fotografiert. Sensationell vom Anfassen und vom Ansehen her.

Wir sind gestärkt für die Reise nach Deutschland und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen. Verabredet ist ein Kurs Chanoyu im Herbst in Freiburg. Wir werden sehen und freuen uns jetzt schon.

 



 

 




 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

3.30 local time: teatasting & sunrise

21.04.2018 23:37 von Helmut Volkmann

 

Es ist 3:10h am frühen Morgen. Oder sollte ich besser sagen, mitten in der Nacht? Unsere beiden Handys klingeln nahezu gleichzeitig. Eigentlich ist heute Reisetag, zurück nach Kyoto, dann zurück nach Osaka-Kansei, Flug nach Taipeh, für Jiri noch zwei Tage Taipeh, für mich geht es direkt nach Frankfurt.

 

Aber, die Teebörse hat seit zwei Tagen geöffnet. Kohei hat uns eingeladen heute früh mit zu probieren. Er holt uns um 3:29h ab. (s. Foto Armaturenbrett Toyota)

 

 

In der Company ist das erste Teatasting schon vorbereitet. Es werden die frisch produzierten Arachas probiert. Einige Muster liegen schon vor. Andere werden während des gesamten Tastings gebracht. Die Teebörse öffnet um sechs.
Probiert wird, wie hier üblich, direkt aus den Schalen.
 

 

Die ersten Muster von heute morgen.
 

 

 

Der President der Company ist in Kyushu unterwegs um dort Tee einzukaufen. So ist Nagata-san der erste in der Firma, der probiert. Der Probiervorgang folgt einer strikten Hierarchie. Zuerst der President, dann sein Stellvertreter, gefolgt vom Factoryleiter, dann kommen die anderen. Die Atmosphäre ist ruhig, eher still und konzentriert. Man spricht, wenn man spricht, eher leise.

 

 

Der Factoryleiter beim lautstarken Schlürfen des Tees. Das ist aber auch das einzig laute Geräusch heute morgen in der Firma.

 

 

Hier die Reihenfolge, Nagata-san, Factoryleiter. Man probiert konzentriert, ruhig, schnell.
 

 

Ein neues Setup. In den Dosen befinden sich die Muster. Der Tee wird in die schwarzen Schalen geschüttet. So kann man die Konsistenz des Tees mit der Hand prüfen. Mit Erfahrung spürt man den unterschiedlichen Feuchtigkeitsgehalt.
Der Feuchtigkeitsgehalt des Aracha ist ungefähr 6 %. Der gefinishte Tee hat ca. 4 % Feuchtigkeit. Es ist wichtig die Feuchtigkeit des jeweiligen Aracha gut einzuschätzen. Danach richtet sich das finale Erhitzen.
 

 

Probiert wird mit abgewogenen 4g bei 3 Minuten Ziehzeit und kochendem Wasser.

 

 

 

Konzentration, wenn der Erste, also Nagata-san die Tees probiert.

 

 

Der Factoryleiter macht sich einige Notizen über die Qualität, Feuchtigkeit, das Klima bei der Ernte. Nagata-san behält alles im Kopf.

 

 

 

Hier probiert Nagata-san einen möglichen Blend aus drei Aracha.
 

 

Er variiert diesen Blend später noch einmal.

 

 

 

Der Blend wird jetzt in Kyusus aufgebrüht. Der Aufguss ist wesentlich leichter und transparenter. Den Vorschlag dazu macht der erste Taster.

 

Fünf Uhr. Die meisten Tees sind durchprobiert. Immer wieder wurden von Fahrern neue Muster von den benachbarten Factorys hereingebracht.

 

 

Die probierten Muster um sechs Uhr. Doch die Arbeit geht weiter. Die Börse öffnet jetzt. Jiri und ich denken, wir fahren jetzt wohin, wo Gebote gemacht werden, jemand mit dem Holzhammer auf den Tisch haut, also ein Ort, wie man sich eine Börse eben vorzustellen hat.

 

Im Auto und auf der Fahrt zum Sunrise erklärt uns Kohei, wie das Geschäft läuft. Wichtig sind die frühmorgendlichen Tastings. Hier wird in den alt eingessenenen Firmen entschieden, welcher Tee gekauft wird. Es sind Firmen die seit über hundert Jahren miteinander arbeiten. Es ist ein Geflecht von Vertrauen und Loyalität. Niemand sonst bekommt hier Tees, meint Kohei. Wenn du neu bist und von außerhalb, kannst du nur bei uns kaufen, niemals bei den Farmern. Und das ist in Kyushu, Uji, Fukuoka etc. ebenso. Es wird also an diesem Morgen schnell entschieden, welche Tees gebraucht werden für das Geschäft. Die Tees, die nicht so verkauft werden landen auf dem öffentlich zugänglichen Teemarkt. Der ist allerdings für die traditionell gut vernetzten Firmen völlig uninteressant.

 

Wir wissen jetzt Bescheid und fahren Richtung Sonnenaufgang.


 

 

 

Teefeld im Morgennebel.
 

 

Teefeld im Morgennebel II

 

 

Asatsuyu, Morgentau.

 

 

Sunrise I

 

 

Sunrise II

 

 

Sunrise III

 

 

Sunrise IV

 

 

Chairman, Jiri, Helmut, Factoryleiter, Nagata.

 

Abschied aus Kakegawa. Wir haben hier wunderbare Menschen getroffen, die sich herzlich und überaus freundlich um uns gekümmert haben. Vielen Dank!

 

Jiri und ich sind gleich noch bei der Ehefrau des älteren Chairman zur Teezeremonie eingeladen. Sie ist ausgebildete Teemeisterin der Urasenke-Schule. Ich werde von Köln aus davon berichten und verabschiede mich aus  Shizuoka.

 

PS: mein Korrekturprogramm hat aus den japanischen Fachbegriffen in den letzten Tage einige skurile Wörter produziert, die ich natürlich alle wieder vergessen habe.

Heute schrieb es: der Feuchtigkeitsgehalt des Archäologen beträgt 6 %. Gemeint war der Aracha. Der kam im nächsten Satz vor, und zwar als Aracha, nicht als Archäologe. Wirklich seltsam.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ocean of Green Tea

21.04.2018 09:02 von Helmut Volkmann

 

Zu Gast bei unseren Produzenten in Shizuoka. Hier kommen unsere klassischen Senchatees her, RIKYU, DEEP DEEP GREEN, RIKYU MASTER´S, YUTAKAMIDORI und die beiden Shinchas, SAEMIDORI und YABUKITA.

 

 

Ein kleiner Begrüßungstee, morgens um 9:30h mit Kohei und dem Chairman der Company. Wir trinken den ersten Tee des Jahres. Wundervolle Kraft, Shizuoka eben.

 

 

Unsere Firma läßt Tees produzieren und kauft Tee aus ganz Japan ein. Das Finishing findet dann hier in der Factory statt.
 

 

 

Sortierung.

 

 

Wir probieren an diesem Morgen mit Kohei: Yutakamidori, zweimal, Samidori und Yabukita. Wir ordern Yutakamidori für das nächste Jahr.

 

 

Es ist Samstag, es ist Erntetag. In den Feldern herrscht seit einigen Tagen geschäftiges Treiben. Die Teebörse hat seit zwei Tagen geöffnet. Wir werden morgen früh, am Tag unserer Abfahrt dort sein.

 

(Aufstehen um 3:15h, Teebörse, danach nach Kyoto, dann nach Osaka, dann Flug nach Taipeh und dann 13h Flug nach Frankfurt. Ich möchte das Wort Urlaub im Zusammenhang meiner Reise bitte nicht mehr hören!!)

 

 

Ernte mit dem Hand-Ernter. Es ist mehr oder weniger eine gebogene automatische Heckenschere für Zwei, mit einem Sack dran. Wir kennen das aus Taiwan. Dort ist diese Art zu ernten sehr gebräuchlich. Hier fährt man eher mit dem Voll-Ernter durch die schnurgeraden Reihen.

 

 

Higashi-Yama heißt dieses Teegebiet um Kakegawa. Wir finden nur sehr vereinzelt Felder, die beschattet sind. Shizuoka-Land ist Sencha-Land.
 

 

 

Auf dem Berg das O CHA Schriftzeichen aus Bäumen.
 

 

 

Posing für Kohei-san und sein Marketing.

 

 

Ocean Of Green Tea I
 

 

 

Ocean Of Green Tea II
 

 

t

 

Ocean Of Green Tea III

 

 

Ocean Of Green Tea IV

 

 

Go Shizuoka, go.

 

 

Die Stadt Kakegawa, 150.000 Einwohner, von unserem Lunchrestaurant. Es gan Aal, Tempora, kalte Soba, köstlich.

 

 

Es wirkt wie derselbe Ausblick. Das neu eingerichtete Teemuseum mit japanischem Garten. Es ist didaktisch sehr gut aufgebaut. Allerdings durfte man indoor nicht fotografieren.

 

 

 

Ocean Of Green Ice I

 

Matchaeis der Kategorie 7, höchste Matchagehaltstufe. Es ist absolut delikat, überhaupt nicht süß, ausgewogen und tief im Geschmack.

 

 

Besuch in einer Aracha-Fabrik. Es ist jetzt die dritte Arachafabrik, die wir sehen. Sie ist mittelgroß und wird von einem Zusammenschluss von acht Farmern betrieben. Hier arbeitet man in den nächsten Tagen rund um die Uhr, ohne Schlaf.
 

Die frisch gepflückten Teeblätter kommen in Säcken an und werden auf das Laufband geschüttet.

 

Die acht verschiedenen Farmer notieren hier ihre Tagesproduktion.

 

 

Streaming. (fast nicht verwackelt!)
 

 

 

Drying mit Rotation.

 

 

Tranport.

 

 

Trocknen mit Metallhacken in der Trommel.
 

 

 

Rollen mit Druck.

 

 

Elektrostatische Aussortierung von Stalks und Dust.


 

 

Alles kommt in getrennte Säcke, Dust, Talks, Kukicha, Sencha.

 

 

Das Shaping, das Längsstrecken der Blätter.

 

 

Der finale Erhitzer.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir besuchen Meister Tohei in Okabe und Meister Ota in Tenryu

20.04.2018 11:32 von Helmut Volkmann

 

 

Heute besuchen wir zwei wirkliche Großmeister des Tees, Meister Tohei in Okabe. Er ist für grandiose Gyokuros bekannt, und Meister Ota in Tenryu. Von Meister Ota haben wir im Moment einen sensationellen Gyokuro im Sortiment. Ansonsten ist er mehr für seinen Wettbewerbssieger im Segment Sencha bekannt. Das Wetter ist  gut, es ist warm, selbst hier in den Bergen.

 

 

 

Hier wächst beschatteter Tee, Gyokuro. Die Gegend um Okabe ist für große Gyokyuroqualitäten bekannt.
Unter den schwarzen Planen wachsen die Teepflanzen mit deutlich weniger Sonneneinstrahlung auf. Die Photosynthese wird verstärkt aufgrund des Lichtmangels. Es werden weniger Tannine im Blatt gebildet. Der Tee wird deutlich süßlicher schmecken.

 

 

Dieses Feld, es ist das Feld von Teemeister Tohei, Maejima, ist mit traditionellen Reisstrohmatten bedeckt. Es ist das einzige dieser Art, das wir hier sehen.

 

 

Und dann ist er plötzlich, nach einem kurzen Telefonat von H.san da. Der Meister selbst. Sofort fängt er an zu erklären. Diese Reisstrohmatten haben er persönlich angefertigt. Das Reisstroh bekommt man so nicht zu kaufen. So hat der Reisfelder gekauft, nur um an das Stroh zu bekommen. Er kann diese Matten ungefähr vier oder fünf Jahre benutzten, dann muss er neue Matten flechten. Die Reisstrohmatten scheinen ihm sehr wichtig zu sein. Sein Redestrom reißt nicht ab.

 

 

Jetzt merke ich warum. Links ist sein Feld mit Reisstrohmatten, rechts ein Feld mit schwarzen Planen. Das rechte Feld ist deutlich dunkler beschattet. Tohei meint, die Pflanzen haben so mehr Streß als unter den traditionellen Reisstrohmatten. Wichtig aber ist, das Klima, die Kühle und die Feuchtigkeit ist sehr viel angenehmer unter dem natürlichen Material. Jiri vergleicht dies mit einem Pullover aus Baumwolle oder aus Polyester.
 

 

 

Blick auf das Dorf durch Stroh.

 

 

Maejima Tohei erklärt uns seine Gyokurophilosophie. Er zeigt uns die unteren Blätter. Er nennt sie Elternblätter. Die müssen kraftvoll und stabil sein. Also brauchen sie Düngung, künstliche Düngung. Diese Blätter sind die Basis für die feinen oberen Blätter, die Kinder, wie er sie nennt.
 

 

 

Sobald die obere Blätter wachsen, stellt Meister Tohei die künstliche Düngung ein. Die oberen Blätter bleiben sauber. So hat er einen saubern Tee. Der Geschmack ist stark und hat großes Umami. So kann Gyokuro auch gehen.
 

 

 

O.k. ein Foto mit Meister. Konnte ich mir nicht verkneifen. Gott sei Dank schaut er wenigstens in die Kamera. Es waren immerhin zwei. Oder waren es drei, wenn ich mich und Jiri anschaue?

 

 

Der Blick ins Tal, Tee, Tee, Schattentee und Sencha.

 

 

Wie unwiderstehlich ist denn das? Reinstes Chlorophyll unter der Frühjahrssonne.

 

 

Maejima Tohei ist mit besten Marketingideen ausgestattet. Seine Philosophie spricht glaube ich für sich.

 

 

Hier einige seiner Awards. Er ist schon ein großer Star unter den Teebauern. H.san meint, es ist sehr schwer Tee von ihm zu kaufen. Aber er versucht es natürlich. Auch heute.

 

 

 

Nach einer Stunde Autofahrt und einigen U-turns, weil wir uns verfahren haben sind wir in den Bergen oberhalb des Tenryu-Flusses. (Ten=Himmel, ryu=Drache). Die Teeplantage von Herrn Ota mit den wunderbar fliegenden Fischen. Ein wunderschönes Stück Erde in den Bergen.

 

 

 

Wir fahren noch einige Minuten in den Berg hinein. Dann zeigt uns Meister Ota-san sein erstes Feld. Es ist nur heute beschattet, weil die Sonne zu stark scheint. Es ist ein Senchafeld mit Yabukitapflanzen.

 

 

Ein Blick auf den wundervoll gemulchten Boden dieses Teefelds.
 

 

Ota-san mit H.san. Sie schauen sich die kraftvollen Yabukitapflanzen an.

 

 

In der Nahaufnahme sieht man sogar, wie kraftvoll und dick die unteren Blätter der Pflanze sind. Sie erinnern fast ein wenig an Taiwankultivare.
 

 

 

Ota zeigt den kraftvollen Stengel der Pflanze. Die Kultivare im ersten Feld sind acht Jahre alt.

 

 

Im Grunde hat Herr Ota heute ein dichtes Programm. Aber mit zunehmender Zeit im Teefeld wird er gesprächiger und beginnt zu lächeln.

 

 

Er ist sichtlich Stolz auf seine kraftstrotzenden Teepflanzen. Wir sind schon im zweitenTeefeld, das ebenfalls wegen der starken Sonneneinstrahlung heute beschattet ist. Es ist ein Senchafeld, ebenfalls mit Yabukitapflanzen. Die Pflanzen sind hier vier Jahre alt. Ota-san zeigt den Abstand wie gepflückt werden soll. Es werden nur die oberen Triebe gepflückt.

 

 

Dieses Teefeld mit Yabukitapflanzen wird morgen geerntet werden. Es ist das Feld, dessen Tee Meister Ota zum diesjährigen National Tea Contest einreichen wird. Ich muss für den Wettbewerb die jüngeren Pflanzen nehmen, also die vierjährigen Pflanzen. Das ganze Feld sieht großartig aus. Wir haben Glück es heute noch einmal zu sehen.

Morgen ist der große Erntetag. Für einen Besuch hätte man dann überhaupt keine Zeit.

 

 

Ota-san erzählt  H.san, das dieses Feld morgen von 60 Farmern per Hand geerntet wird. Alle Nachbarn helfen mit. Es ist hier in Tenryu ein großer Tag und viele wollen helfen, wenn der Star des Senchatees seinen Competitiontee produziert. Aus diesem Feld werden sie einen Ertrag von ca. 75 kg an reinen frisch gepflückten Teeblättern haben.


 

 

 

Wenn der Tee in der kleinen Teefabrik verarbeitet ist bleiben 15 kg reiner Tee übrig. Das ist die Wettbewerbsausbeute. H.san führt schon auf dem Teefeld erste Verhandlungen. Vorab ist allerdings nichts zu machen. Wir bleiben entspannt. Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis. Aber die Atmosphäre ist zwar ein wenig angespannt, ein Tag vor dem wichtigen Produktionstag.

 

 

 

Das Belegfoto mit Ota-san. Im Hintergrund die herrlichen Berge am Tenryu-Fluß.

 

 

 

Die kleine Factory, in der der Wettbewerbstee produziert wird, morgen. Der Steamer.

 

 

Die Rollmaschine, die dem Blatt Form gibt. Sie arbeitet eine Stunde.
 

 

 

Hier wird gerade noch eine kleine Menge Tee gerollt und die Reste von den Scheiben gekratzt. Jedes Blatt ist wichtig.

 

 

Hier wird noch einmal Feuchtigkeit entzogen über Hitze und der Tee durch das Rollen und die inneren gebogenen Metallhaken in ein gewisses Shaping gebracht.

 

 

Maschinen für die Formgebung des Senchas. (sie laufen gerade nicht)

 

 

 

Der Erhitzer (heater).
 

 

 

Abschied von der Teefarm von Meister Ota. Die Fahnen wehen. Hier wird morgen wundervoller Tee produziert.
 

 

 

Zwei Mitarbeiterinnen von H.san haben uns gestern beim Teatasting und heute auf  die Farmen begleitet. Cindy stammt aus dem Alpen von Frankreich, die rechte Damen ist Türkin, aber in Frankreich aufgewachsen. Sie haben heute tüchtig für uns ins Englische übersetzt, vielen herzlichen Dank.

Zur Belohnung gibt es ein Matchaeis vom Chef.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yes, we love CAN & BACH.

19.04.2018 16:08 von Helmut Volkmann

 

Hey, es ist 0:43h. Wir hörten CAN & BACH und sprachen viel über Musik mit unserem Tee-Freund aus Kakegawa.

 

 

Kakegawa, 7:00h:

Wir werden von H.san an unserem Hotel abgeholt und fahren zunächst einmal vor die Tore der Stadt Kakegawa. Mitten in den Teefeldern, in den Bergen von Kakegawa. Shincha 2018.

Das Grün der frühen Teeblätter ist eine wahre Freude. Es hat eine unbeschreibliche Intensität. Ich verstehe, warum man in Japan den frühen Tee so sehr verehrt. Es ist der Inbegriff von Wachstum und Frische. Es ist die Farbe, die den Winter vertreibt. Es ist ein Gefühl von Freiheit und Freude.
 

 

 

 

 

Teefelder bei Kakegawa. Im Hintergrund sehen wir einige silberne Planen. Hier wird Tee für Gyukuro angebaut.

 

 

 

Schnurgerade gezogene Reihen mit kniehohen Teebüschen. Das ist Japan.

 

 

 

Die Ernte hat begonnen. Ein Maschinenernter bei der Arbeit. Man erkennt den schon geernteten Teil des Felds und den noch nicht abgeernteten Teil.
 

 

 

Noch einmal, weil es so unbeschreiblich schön ist. Blätter der frühen Teeernte hier in Shizuoka im gleißenden Morgenlicht.

 

 

H.san im Gespräch mit Jiri. Die Ernte ist in diesem Jahr etwas früh. Das ist nicht ganz unproblematisch für die Qualität und für die Stabilität der Teepflanzen. Sie sind durch die vielen Sonnentage im März sehr schnell gewachsen, haben aber nicht genug Zeit gehabt genügend Nährstoffe aufzunehmen. H.san sagt, wir werden sehen wie es sich entwickelt. Ein bisschen Regen wäre nicht schlecht jetzt für die Pflanzen. Ab Montag soll es regnen.

 

 

Die Ernte mit einem Handernter, der von zwei Personen wie eine große Sense über die Teereihe gezogen wird. Das kennen wir so aus Taiwan. Hier macht man das nur am Berghang, wo man mit dem Vollernter nicht
Ernten kann.

 

 

Schnurgerade gezogene Felder. Der Ernter fährt einfach langsam geradeaus.
 

 

 

Im Hintergrund die Berge. Bei gutem Wetter kann man dort die Silhouette des Fuji sehen. Überall stehen auf den Feldern Ventilatoren. Sie werden bei Frost eingeschaltet um die kalte Luft zu verteilen.

 

 

Jiri verteilt Willkommensgeschenke. Hier freut sich Eriko Ota über einen mitgebrachten Essig aus Modena.

 

 

Hey, its me, mit Jacke unter dem Astronautenlook. Wir besichtigen die Teafactory von H.san. Vorher geht es durch eine Reinigungsschleuse.

 

 

Wir sehen heute zwei Stationen der Teeproduktion. Ich berichte in chronologischer Reihenfolge. Zunächst besuchen wir die Finishing-Linie. Hier wird aus dem Rohtee, den die Teefarmer produzieren der fertige Tee produziert. Das macht die Firma von H.san, unter anderem. Hier ist das Loch am Beginn der vollautomatischen Finishing-Straße, in das der Tee geschüttet wird. Die Straße ist gerade nicht in Betrieb.  Später sieht man ein Bild, wo Tee in die Finishing-Straße eingefüllt wird.
 

 

Das Aussortieren verschiedener Grade des Tees . Das Band bewegt sich auf auf und ab.

 

 

Die elektrostatische Sortierung. Stalks, also kleine harte Zweige und Stiel werden so aussortiert. Es ist die präziseste Art der Sortierung. Einfachere Fertigungsstraßen sortieren über einen Luftstrahl.
 

 

Eine von zwei riesigen Blendingtrommeln. In dieser Straßen können täglich viele Tonnen Tee gemischt werden. Das ist das Hauptgeschäft in Japan, die Produktion von Blends für die verschiedensten Kunden.
 

 

 

Hier noch einmal das Einfüllen von Aracha, von Rohtee in die Finishingstraße.

 

 

 

Die Matcha-Factory. Hier die drei Steinmühlen. Mit diesen Steinmühlen wird der Tee sehr langsam und schonend gemahlen. Alle unsere Matches sind selbstverständlich mit Steinmühlen gemahlen. Wichtig ist die langsame Geschwindigkeit des Mahlprozesses. Wir fragen noch einmal beim Taster nach. Auch er sagt, es ist wichtig für die hohe Qualität, das der Tee langsam und bei einer geringen Temperatur gemahlen wird. Nur so kann man einen tiefen und süßen Matcha produzieren. Eine höhere Geschwindigkeit macht den Tee kräftiger und den Geschmack bitterer. Pro Stunde werden hier 30-40g gemahlen.

 

 

Maschinelles Mahlen von Matcha. Die Menge pro Stunde ist wesentlich höher. Dieser Tee wird eher für den Food-Sektor oder zum Mischen benutzt.
 

 

 

Trotzdem, eine großartige Farbe. Frisch gemahlener Tee.

 

 

Eine zweite Maschine für das Matchamahlen.
 

 

Frisch gemahlener Matcha in einer Kiste.

 

 

H.san zeigt uns das riesige Lager seiner Company.  Hier lagern Tonnen von Tee, bei kühlen Temperaturen.

 

 

Dieses Lager ist gerade frisch geräumt worden für die Tees aus der neuen Ernte. H.san kauft Rohtee aus vielen Teeanbaugebieten Japans ein.

 

 

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In diesem kleineren Lager werden die Hight-End-Tees gelagert, also unsere Wettbewerbs-Sencha und Gyokuro-Tees. H.san bibbert beim Ziehen der Toröffnungsleine. Die Temperatur beträgt Minus 40 Grad.
Und schon sind wir wieder draußen. Es ist unfaßbar kalt.
 

 

Der Beginn unseres Teatastings, das den ganzen Nachmittag bis kurz vor Sechs dauern wird. Ich kann nicht von allen Tees sprechen und konzentriere mich auf einige wenige Tees mit denen wir uns beschäftigt haben.

 

Hier ein frischer Temomi, ein handgerollter Tee. Er hat eine leichte gelbe Einfärbung an den Enden. Das kommt von einem nicht ganz perfekten Rollen meint H.san.
 

 

 

Hier in der Firma nimmt man für ein Tasting 4 Gramm. Später nehmen sie manchmal 5 Gramm. Sie benutzten 1 Yen Münzen. Wenigstens dafür kann man diese Münzen gebrauchen. Ich werde ein paar mit nach Deutschland nehmen.


 

 

H.san und Jiri bei der traditionellen Verkostungsmethode. Die Tees schwimmen frei in der Tasse und werden mit einem Sieb am Stiehl herausgehoben und begutachtet nach Farbe und Duft. Dann nimmt man nach der Ziehzeit von 2 oder drei Minuten (je nach Menge) die Blätter mit dem Sieb heraus und testet die Qualität der Infusion in der Tasse. Hier das Tasting von Temomi.
 

 

 

Die wunderschön neongrüne Farbe des Temomi und die herrlich geformten Blätter. Wie kleine Fische.

 

 

Unten der Temomi als Aracha. Oben der ganz frisch gefinishte Temomi. Links daneben die beiden Schalen.
Wir verkosten, erkennen Unterschiede. H.san hat zuvor lange mit dem jungen Teamaster diskutiert, wie man diesen Temomi verarbeiten kann. Hier das gute Ergebnis. Ein intensiv grünes, leicht fruchtiges Flavor, wenig Bitterstoffe, ein reiner und klarer Aufguss. Ein sehr guter Tee. Aber vielleicht nicht der allerbeste Temomi.
 

 

 

 

Ein kurzer Ausflug in eine nahegelegene Abacha Fabrik. Hier wird aus den frisch gepflückten Blättern der Abacha, also der Rohtee produziert, der in der Firma von H.san weiter verarbeitet wird. Das gesamte junge Team von H.san kommt mit. Die jungen Frau und der einzige Mann kommen aus Frankreichs, Sri Lanka, und der Türkei. Sie sehen aus zum ersten Mal die Produktion von Aracha. Wir kenn das schon, gehen aber gerne mit.

 

 

 

 

Die frischen Blätter werden auf das Laufband geschüttet.

 

 

Das Bedampfen der Blätter mit heißem Dampf. Hier wird ein möglicher Fermentationsprozeß unterbrochen.
(Es ist mir bislang selten gelungen, das Streaming scharf zu fotografieren, sorry)

 

 

Die Blätter werden in einer Rotationsmaschine gewendet und verlieren so an Feuchtigkeit.

 

 

Der Ofen für das Erhitzen des Tees.
 

 

 

Ein weiterer Wende-oder Rollprozeß.
 

 

 

 

Finales Sortieren.

 

 

 

 

 

 

Diese Maschine steht ganz am Anfang der Fabrik, wird uns aber erst am Schluß gezeigt. Hier wird die Qualität des Blattguts sensorisch erfaßt, Größe, Stabilität und Feuchtigkeitsgehalt. So wird per Sensorien und per Rechnerprogramm der Preis für das gelieferte Blattgut fest gelegt. Das habe ich so noch nie gesehen, wow.

 

 

Zurück in der Firma probieren wir zwei Sorten von Aracha.

 

 

 

 

Links der Testaufguß. Rechts hat uns der Teemaster einen Coldbrewaufguss gemacht. Die Süße dieses Tees ist unbeschreiblich. Dichtes und feinstes Umami, weich, zart, Blütennoten. Einfach unfassbar.
Am Ende des Tages haben wir mehrere Arachas probiert, kaufen aber diesen. Er wird ein paar Tage nach unserer Reise in Köln sein. Viel Vergnügen!

 

 

Es kommen im Minutentakt Teesamples vornehmlich aus dem Süden, aus Kyushu. Hier probiere ich eine Reihe der frischen Samples.

 

Dann probieren wir einen sensationellen frischen Tee 2018. Der K ultivar ist Sofa, ein recht seltener, aber sensationell schmeckender Kultivar. Frisch, reich, tief, flirrend, neongrün. Wir kaufen.Auch dieser Tee ist in zwei Wochen in Köln. Ich freue mich.

 

 

 

 

Einige Probierrunden später, Wettbewerbstees Wir entscheiden uns für den zweiten Tee von links, ein Yabukitakultivar. Voll, satt, strahlend, eine sehr gute Balance zweien Bitterkeit und Süße.
Wir kaufen den dritten Tee heute. Die Qualität dieser Tees ist groß.

 

 

Kurz vor Ende des Arbeitstages, der junge Teamaster ist schon gegangen, kommt der Manager und der Taster der Teafarm, die wir besuchten mit dem Sample der Tagesernte. Es probiert der Chairman, also der Direkt or der Firma. Ich bin verblüfft, erfahre aber beim Abendessen mit H.san, das der Direktor als einer der arriviertesten Teekenner Japans gilt und hier in Shizuoka immer wieder um Expertisen und seine Meinung gebeten wird. Er probiert eben gerne, mein H.san.

 

Der Taster der Farm schaut sehr kritisch, fast ein bisschen ängstlich. Ws wird ruhig uns seriös probiert. Dann fangen beide an zu scherzen und zu lachen. Der Tee ist gut. Aber der Direktor zeit anhand eines Teeblatts, das er draußen vom Strauch pflückt, das er gerne mehr obere  Blattspitzen hätte und weniger Stiel. Ansonsten wird der Tee gekauft. Die Atmosphäre ist herzlich, freundlich. Der Arbeitstag ist zu Ende.
 

 

 

 

Plötzlich kommt ein Mitarbeiter mit einem Tablett mit alten Einzelstücken von bekannten Töpfern. Es sind Kyusus. Wir sollen uns jeder eine Kyushu aussuchen. Wir zögern, sind verblüfft, aber sehr schnell in der Auswahl. Jiri nimmt eine fein verziehrte zarte Kyushu, mattschwarz. Ich wähle sofort und ohne zu zögern eine mattschwarze wuchtigere Kanne mit leichten dunkelroten Strichen. Der Direktor ist verblüfft über unsere schnelle Auswahl. H.san erklärt ihm, das wir uns mit Keramik ein wenig auskennen und schon seit 10 Tagen unterwegs sind und verschiedenste bekannte Töpfer getroffen habe in Kyoto, Toki undTajimi.
Der Direktor nickt und versteht. Er lacht und erklärt us , von welchem Künstler die Kannen stammen.
H.san und der Direktor packen die Kannen persönlich ein. Hey, jetzt könnte wieder der Satz mit -Deutschland und humble- kommen, Sie wissen schon. (Auf dem Tablett die Kannen, die wir nicht gewählt haben, auch sehr schön).

 

 

 

 

Finales Tasting kurz vor sechs, Jiri und Erika Ota.

 

 

Beim Abendessen, wir sind in einem Spezíalgeschäft für Tunfisch, kommen wir auf das Thema Musik, weil ich H.san auf dem Weg erzählt habe, das ich Gitarre spiele und Rockmusik schreibe und spiele.
Wir haben alle Drei ein Thema gefunden. Der Fisch ist Weltklasse. Als H.san von seiner Lieblingsband CAN spricht und ich sage, das ich mit Holger (Czukay, Gründer und Kopf von CAN, letztes Jahr leider gestorben), rastet er völlig aus. Holger war früher oft bei mir im Geschäft und wir haben viel über Musik geredet. Jiri, H.san und ich haben viele gemeinsame große Helden. Ich rede über meine Leidenschaft zu Bach, die er auch teilt, über die filme von Azu und Tarkowski, Kendrick Lamar (be humble!) und und und. Same fließt über den Becherrand, wir sind einfach glücklich miteinander.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Slow down in Kakegawa.

18.04.2018 13:34 von Helmut Volkmann

 

Heute ist Reisetag. Das Ziel ist Kakegawa in Shizuoka. Jetzt beginnt der Teeabschnitt unserer Reise. Da wir noch ein wenig Zeit haben und die Entfernung nicht so riesig ist, fahren wir eine Station weiter von Toki nach Tajimi. Uns schräg gegenüber sitzt er. Still und schweigsam in sich versunken wie ein Zenmönch. Während der ganzen Zugfahrt rät er seine Daumen wie ein Windrad umeinander kreisen. Die Augen immer fest geschlossen. In Tajimi angekommen steht er auf, die Augen weit offen und geht mit uns ganz normal hinaus.

 

 

Eine etwas kommerziellere Galerie in Tajimi. Wir vergleichen die Preise für die guten Stücke und merken, das das Preisniveau insgesamt recht hoch ist hier. Die Stücke sind nicht so interessant. Wir haben in den letzten Tagen zwar etwas mühsamer, aber deutlich besser eingekauft. (Yeah!)

 

 

Am Ende der Straße mit den Galerien. Eine Fußgängerbrücke wie aus dem Nichts. Und vor allem wie ins Nichts führend. Es ist Mittwoch 12 Uhr Mittags. An der Ampel warten ein paar Autos. Bis hierhin hätte ich mit meinem Koffer auch zickzack über die Straße zwischen den beiden schönen grünen Streifen laufen können. Wer braucht also die Brücke fragen wir uns. Vielleicht ist dies eine Musterstraße für verkehrsberuhigtes Fahren. Wir werden es so schnell nicht erfahren. Aber die Brücke wirkt hier in der ruhigen Straße wirklich völlig deplatziert.

 

 

Der Herr aus einem alten Antikladen mit wirklich guten Schalen und Chawans. Ich finde einen sensationell schönen alten schwarzen Chawan zu einem sehr sehr guten Preis und kaufe sofort. Jiri kauft sowieso, und ist auch irgendwie glücklich, das wir nicht nur elend teuere Stücke finden. Sehr schöner Laden hier in Tajimi. Das könnte der Abschluss unserer Einkaufstour gewesen sein, aber so genau weiß man das bei Jiri nicht. Und prompt findet er in einer kleinen Auslage in einem Laden ein paar Häuser weiter noch ein paar Schalen die er mitnimmt.

 

 

Neben der Galerie, die wir gestern mit den Sakai besuchten ist ein bekanntes Nudelrestaurant in das wir gestern gehen wollten, das aber Dienstags Ruhetag hat. Heute ist Mittwoch. Ich schlage vor hinein zu gehen. Es ist kurz nach 12 Uhr. Es ist halbdüster. Das Restaurant ist gemütlich und modern eingerichtet. Wir sind total verblüfft. Mittwoch 12:20h. Alle Plätze sind besetzt. Uns wird eine Warteliste gereicht, in die wir uns eintragen. Scheint nicht schlecht zu sein. Wir werden Recht behalten.

 

 

Kurz darauf stammelt eine junge Bedienung den Namen Mmmelssser. O.k. wir gehen grinsend an unseren Platz und bekommen Tatamiplätze. Allerdings sitzen wir in einer Grube, das heißt wir sitzen ganz normal mit den Füßen nach unten und oben sieht es aus, als würde man im Schneidersitz auf Tatamis sitzen. Toll, und gemütlich. Es gibt vier Gerichte, won denen das erste, das ich wähle aus ist. Wir nehmen beide ein Sobagericht. Es gibt nur Soba. Jiri hot, ich nehme cold. Dazu Reis mit Shrimps in Tempura. Haben wir vom Nachbartisch abgeschaut. Die Speisekarte ist auf natürlich japanisch.

 

Es kommt ein großartiges Sobaessen, eines ist eine große heiße Schale mit Buchweizennudeln für Jiri.
Ich bekomme das traditionellere kalte Essen mit kalten Nudeln und einem schmalen Töpfchen mit kalter Flüssigkeit, in die die Nudeln getaucht werden und mit lautem Schlürfen eingesogen werden, hervorragend. Das Schlürfen mit den kalten Soba macht in dem schmalen Topf richtig Spaß, auch weil so wenig hinausspritzt. Großer kühler und kräftiger Geschmack. Dazu sehr gut frittierte Tempora mit Shrimps auf Reis. Ich bin einfach glücklich. Jiri mit den warmen Soba auch.
 

 

 

Kurzer Blick in die Nudelküche.
 

 

Ein kleiner Nachtmarkt.

 

 

 

Wir kommen am späten Nachmittag in Kakegawa an. Zur Abenddämmerung ein kleiner Spaziergang. Die kleine Gasse rechts wirkt wie ein Mininachtmarkt, wie wir ihn aus Taipeh kennen. Allerdings ist niemand da. Und innen sehen die Buden aus ein Campingcaravan in Holland.
 

 

In einem Restaurant. An der Bar sitzen Handelsreisende beim einem Wasserglas mit Bourbon und Eis und essen ein paar Snacks. Der junge Koch bittet uns an einen Tisch in einem Tatamizimmer. Wir bestellen Bier und starren auf die Karte. Kein Bild. Keine Buchstaben. O.k. Der Koch, der auch der Barmann ist sprich kein Wort Englisch. Wir gehen an den Tresen, in der Hoffnung auf Speisen zeigen zu können. Nichts ist da. Wir gestikulieren. Der Koch geht auf die Straße und telefoniert, kommt rein, beschwichtigt, wir warten, trinken Bier. Dann beschließen wir zu gehen. Es kommt eine sehr hübsche Kellnerin und spricht uns mit klarem Englisch an. Dies ist kein Restaurant in dem man Englisch spricht. Bitte kommen sie herüber in mein Restaurant. Wir trinken aus, zahlen, gehen.

 

Im Nachbarrestaurant werden wir freundlich empfangen, von einer anderen Kellnerin. Wir sitzen auf Tatamis, bestellen zu trinken. Als wir bestellen wollen merken wir, das auch hier niemand Englisch spricht. Immerhin kommt die Kellnerin mit einem Google Translater. Ich tausche einige Höflichkeiten aus, doch wir bestellen nach Bildern. Was kommt hat nur bedingt mit dem zu tun, was wir uns vorgestellt haben. Aber es wird gegessen. Ein bisschen Fleisch, eine Kartoffel gebraten, danach ein Topf mit Reis und Salat und Kräutern. Mit Sojasauce wird es genießbar. Von weiteren Bestellungen, zu denen uns der Google Translater überzeugen will,  sehen wir ab. Man kann eben nicht zweimal am Tag Glück mit dem Essen haben.


Die schöne Kellnerin mit dem fließenden Englisch war wohl eher eine Luftspiegelung. Wir sehen sie einfach nicht mehr.

 

 

Auf dem Weg ins Hotel. Ein Taxifahrer schläft. Der kleine Nachtmarkt leuchtet. Es ist hier sehr beschaulich. Alles wird viel langsamer hier in Kakegawa. Vom Hotel aus hören wir den Shinkanzen durch die Stadt zischen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich werde den Start sehen.

17.04.2018 11:47 von Helmut Volkmann

 

Der heutige Tag beginnt mit einem Gang zur Bank. An und für sich nichts außergewöhnliches im Ausland.
Man geht in eine Bank, legt sein Geld auf den Tresen, zeigt seinen Paß, füllt ein Formular aus, bekommt die heimische Währung und geht wieder hinaus. Aber, wir sind in Japan. Die Bankautomaten scheinen die Kreditkarte nicht zu akzeptieren.
Wir probieren es einige Male. Kein Erfolg. Das kennen wir von den Reisen aus Taiwan und China. Manchmal geht es, manchmal nicht. Also wechseln wir das Bargeld, das wir vorsorglich mitgebracht haben. Jiri reist sowieso ohne Pin, das heißt er bekommt auch über den Automaten nichts.

Wir betreten die kleine Bank neben unserem Hotel. Wir sind in einem kleinen Ort, also gibt es auch eine kleine Bank.
Wir ziehen eine Wartemarke. Es ist 9:05h. Um 10:00h haben wir uns mit den Sakai verabredet. Sie bringen die Schalen, die wir gestern ausgewählt haben in unser Hotel. Es ist Zeit genug, denken wir. Es ist wenig los in der Bank. Jiri ist sofort dran.
Ein Bankangestellter mittleren Alters mit recht strengem Ausdruck ist sein Ansprechpartner. Ich nehme in der Wartereihe Platz und beobachte. Es scheint alles normal. Er gibt Jiri ein Formular. Jiri füllt das Formular aus. Der Angestellte läuft mehrmals hin und her, eher ruhig. Jiri füllt das Formular aus und zählt das Geld ab. Das verschwindet der Angestellte. Es ist 9:15h, Zeit genug, denken wir. Der Angestellte kommt wieder, nimmt die Euros in eine Plastikschalen, das Formular in die andere,. verschwindet. Jiri schwand Übles und meint, wir ich soll ihm meinen betrag zum Wechseln auch schon geben, das ginge schneller. Er ahnt nicht, wie falsch er mit dieser Idee liegt. Der Angestellt kommt wieder. Ich gebe mein Geld Jiri. Der Angestellt nimmt alles und verschwindet. Es ist jetzt 9:25h. Ich zeigt auf die Uhr. Jiri meint, kein Problem, wir haben Zeit.


Es passiert nichts. Der Angestellte ist weg. Ich geben zu bedenken, vielleicht hätten wir die hübsche Mitarbeiterin mit der
Gesichtsmaske wählen sollen. Die macht einen kompetenteren Eindruck. Aber es ging ja nach Wartemarken, Pech.
Das verkniffen strenge Gesicht kommt zurück. Auf dem Weg zu uns wird er zweimal von Mitarbeitern angesprochen, die etwas von ihm wissen wollen. Er reagiert etwas unwirsch. Er hat Streß. Es ist 9:30h. Der Bankmann erklärt uns, das wir nur jeder einzeln 390 € wechseln dürfen. Das bringt unser Konzept völlig durcheinander. Wir brauchen mehr. Aber immerhin würde es reichen, die Ware von den Sakai zu bezahlen, knapp reichen. Also fülle ich einen extra Zettel aus. Super Timing denke ich. Es ist 9:35h. Es wird langsam eng, bei dem Arbeitstempo. Der Angestellt verschwindet mit meinem Zettel. Nach drei Minuten kommt er zurück. Ich muss jetzt meine Handynummer eintragen. Super, ich wundere mich warum ich nicht das Geburtsdatum meiner Frau, meiner Kinder und meines Hunds irgendwo aufschreiben muss. Jiri muss dann auch. Es ist 9:41h.

Der Angestellte verschwindet hinter dem Schreibtisch. Wir sehen, wie er in einem Bilderbuch für Geldscheine blättert und unsere Sorten überprüft, gewissenhaft und sehr langsam. Wir haben Hunderter, zwei Sorten Fünfziger, Zwanziger und Zehner eingereicht. Den Zehner hätten wir uns echt schenken können, der kostet extra Zeit. Es ist 9:45h. Das Handy von Jiri klingelt. Frau Sakai kündigt sich für zehn Uhr an. Ich höre Jiri freundlich sagen, ja ist o.k., bis gleich, und denke, Spinner. Das schaffen wir nie, beim dem Geschwindigkeitsfanatiker hinter dem Tresen. Es ist 9:51. Der Angestellte kommt mit Geld auf einem Tablett. Ich bekomme zuerst, zähle schnell nach will Platz machen für Jiri. Er verbeugt sich ehrfurchtsvoll. Ich habe jetzt meine paar Yen, 9:54h. Jiri ist an der Reihe. Dasselbe Procedere, dann sind wir fertig, es ist 9:56h. Gott sein Dank ist die Bank nur einen Häuserblock vom Hotel entfernt. Die Sakais kommen pünktlich um 10:00h. Die haben ein gutes Timing.

Wir freuen uns, bitten sie in die Lobby, bezahlen und haben ein wenig Spaß. Ich frage Hiroshi Sakai lieber nicht, was er über die Effektivität des japanischen Bankensystems denkt. Wir brauchen mehr Geld, also verabreden wir uns mit den Sakais bei deren Hausbank. Sie fahren uns in eine große Bank in den Nachbarort. Die Formalien klappen prima. Hier gibt es direkt drei Angestellte, die kümmern. Geld bekommen wir nicht. Dafür dürfen wir wenigstens einen hohen Betrag wechseln.
Die Banknoten gibt es erste in einer Stunde. Als wir das Geld einer Stunde abholen wollen sitze ich mit Hiroshi Sakai bestimmt zwanzig Minuten im Auto und es passiert nichts. Dann stellt er seinen Googleübersetzer an und spricht rein:

-Ich werde den Start sehen-, ich zucke die Schultern. Es spricht noch einmal: -ich werde den Start sehen-. Ich nicke und er geht hinaus. Er will einfach mal nachsehen. Nach zehn Minuten sind dann alle wieder da.

Fluch und Segen, diese Übersetzungsapps.

 

 

Wir fahren mit dem Toyota Majesta in eine Töpfergalerie. Hiroshi Sakai ist mit der Geschäftsführerin, die auch eine bekannte Töpferin ist, sehr gut befreundet. Sie scherzen und lachen unentwegt. Hier ein paar Sado-Schalen.

 

 

Eine ausladend futuristische Vase.

 

 

Schale in Weiß.

 

 

Teller aus Keramik wie ein Korbgeflecht.
 

 

Schale in Weiß.
 

 

Hiroshi Sakai mit der Leiterin der Galerie, in der auch Keramiker ausgebildet werden. Die Räumlichkeiten sind modern und hell eingerichtet. Ein wunderbarer Ort zu lernen und zu schauen.
 

 

Untern rechts Artefakte von Hiroshi Sakai.

 

 

Ein eigenwilliges Objekt in Weiß, wie eine Klosettschüssel auf Beinen.

 

 

Der Ausstellungsraum.

 

 

Blick auf Tajimi.
 

 

 

Mit den Sakais in einem Sushirestaurant der gehobeneren Klasse in Toki. Das Restaurant liegt 30 Meter von unserem Hotel entfernt. Wir haben es gestern Abend nicht gesehen.

 

 

Eines der größten Susjhi-Essen meines Lebens. Hiroshi Sakai hört nicht auf auf den Bildschirm zu drücken und neue Sushis uns Sashimi zu bestellen, bis der Tisch komplett voll ist. Es wird eine Orgie. Sie pickt nur das eine oder andere aus der Menge.
Er ißt in einem irrsinnigen Tempo, so das selbst Jiri nicht mitkommt. Aber ist es genug da.Der Tunfisch hat eine Konsistenz, die von einem anderen Stern ist. Sie bieten hier gleich drei verschiedene Qualitätsstufen an. Die Makrele scheint vom Himmel gefallen, oder vielmehr direkt aus dem Meer hier auf den Tisch geschwommen. Der Kaviar ist frisch und weich, fast buttrig. Es ist für uns  Alle ein Fest.
 

 

Danach bringen uns die beiden Sakais noch zu einem Töpfer der uns von Higuchi Masayuki empfohlen wurde. Er lebt in den Bergen oberhalb von Toki, also dort wo wir gestern gestrandet sind. Am Ende eines sehr schmalen Wegs steht das kleine Haus des Töpfers, dessen Namen wir vergessen haben (der Zettel ist weg, aber die Mailadresse haben wir).
Er lebt hier mit vier recht großen Katzen und seiner Frau. Die Einstiegskommunikation über Google läuft eigentlich ganz prima.

 

 

Wir sind wie gehabt an Guinomis interessiert. Er bietet uns eine Auswahl an.
 

 

Eine der Seto Guro Guinomis, die wir gekauft haben.
 

 

Unser Auswahl die wir kaufen wollen. Beim Preis wird es plötzlich schwierig. Er weiß vom Higuchi Masayuki, der ihn gestern noch besucht hat, was wir dort gezahlt haben und orientiert sich an diesem Preis. Uns erscheint das zu hoch. Leider versagt der Google Translater gerade. Es wird ein wenig zäh und es kommt auch gerade keine Katze zur Ablenkung um die Ecke.
Dann gibt es doch noch einen kleinen Austausch via Translater. Noch immer ist es ein wenig frostig. Aber wir werden nicht kaufen unter den Bedingungen. Jiri erklärt unser Business, Wiederverkauf, Promotion, die Leute in Deutschland auf die Töpferkunst aufmerksam machen. Es hilft nichts. Dann zeigen wir ihm meine Website, auf der die Produkte zu sehen sein sollen. Er ist sichtlich beeindruck von den Töpferprodukten aus Prag auf meiner Seite. Er strahlt plötzlich. Das findet er gut, und die Tees findet er auch gut. Er erkennt Gyokuro.
 

 

Jetzt will er. Wir kaufen zu unseren Bedingungen. Und die sind wirklich nicht schlecht für ihn.