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Drei neue Tees aus den Kirishima-Bergen

28.10.2017 10:17 von Helmut Volkmann

 

Drei neue Tees aus den Kirishima-Bergen

Ich traf den Teemacher Shutaro Hayashi am 1. Oktober in Frankfurt. In einem Vortrag sprach er über seine Idee von Teenanbau und über die Zukunft seiner Plantagen in der Bergen von Kirishima. Shutaro Hayashi hat die frühe Idee von biologischem Teeanbau seines Vaters in den 70er Jahren aufgenommen und perfektioniert. Seit Beginn des Jahres trägt er die volle Verantwortung für die Produktion.

Jetzt gilt es, diesem Teekonzept eine neue Richtung und Strategie zu geben. Der junge Teemacher aus Kyushu ist sehr an der Arbeit mit wilden Teesträuchern, Zairai interessiert. Jahr um Jahr, Reihe um Reihe wird er die Plantage seiner Familie mit neuen Kultivaren erweitern. Das wird nur in langsamen Schritten funktionieren erklärt er. Die Aufzucht von Teepflanzen bis zur Erntefähigkeit dauert zwischen 5 und 8 Jahren. Das bedeutet für den neu angelegten Teil der Plantage einen Ernteausfall.

Mit klaren und ruhigen Worten erklärt Shutaro Hayashi sein Konzept für die nächste Dekade. Es werden neue Strauchvarietäten aufgezogen. Das geschieht behutsam und in kleinen Schritten. Shutaro Hayashi trägt die wirtschaftliche Verantwortung für seine Familie und die Familie seines Onkels.Dann knüpft der junge Teemacher Kontakte zu Familien, deren Plantagen nicht in die nächste Generation übergeben werden. So und nur auf diese Weise kann er langfristig für eine Vergrößerung seiner Anbaufläche sorgen.
 
Shutaro Hayashi experimentiert und knüpft strategische Kontakte und das auf der Basis des Bewährten. Mir erscheint dies eine gute und harmonische Balance aus Gestaltungswille und Verantwortung, aus Vision und Bewahrung.

Die neuen Tees von Shutaro Hayashi aus den Kirishima-Bergen:

Kirishima Miumori Asanomi Kabusecha Bio
Kirishima Miumori Genmeicha Bio
Kirishima Miumori Kou Cha Bio

Teekunst aus den Begen von Yunnan

28.09.2017 11:14 von Helmut Volkmann

 

Teekunst aus den Bergen von Yunnan

Yunnan ist eine Provinz im Südwesten Chinas. Im Norden und Osten grenzt Yunnan an Tibet, Guanxi, Sichuan und Guizhou. Die südlichen Nachbarn sind Vietnam, Laos und Mayanmar. Mit mehr als 394.100 Quadratkilometern ist Yunnan so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen.

Meine Reise im April dieses Jahres führte mich in die Pu-Erh-Region im Süden Yunnans. Der Reisestart war etwas holprig. Um 9 Uhr von Japan aus gestartet, landeten mein Freund Jiri Melzer und ich weit nach Mitternacht auf dem Flughafen von Jinghong. Da die Hotels schon zu hatten, schoben wir im Flughafen zwei wacklige Holzstühle zu einem Notlager zusammen, um wenigstens ein bisschen zu schlafen.

Die Teeplantagen und die wilden Teebäume, die sogenannten Gushu, wachsen auf einer Höhe von 1500 m bis 2000 m. Bei mehr als 2000 Sonnenstunden im Jahr und reichlich Niederschlag herrscht dort tropische Wärme. Die Anfahrt in die berühmten Teeregionen des Südens ist abenteuerlich. Heute führt zwar eine ausgebaute Schotterpiste nach Lao Banzhang, doch 2013 mussten wir mit dem Geländewagen noch durch eine wilde Schlaglochwüste fahren und einem Toyota, der mit den Vorderrädern schon über dem Abgrund stand, Hilfe leisten. Die Menschen von Bulang, Lao Banzhang und Yiwu haben lange in der Abgeschiedenheit ihrer wunderschönen Bergwelt gelebt. Doch der Tee bringt Wohlstand in die Region, und der Wohlstand sorgt für bessere Verkehrsbedingungen und mehr Besucher.

Bei der Einfahrt ins Dort Gao Shan riss unser Bus eine Stromleitung ab. Sofort war die Dorfjugend zur Stelle und reparierte den Schaden mit langen Stangen. Wir Langnasen hinter den Scheiben waren natürlich eine Attraktion, hier im tiefen Süden. Von der kleinen Gao Shan Factory aus wanderten wir auf einem rutschigen Pfad aus roter Erde auf eine Lichtung zu, die zwischen Dorf und Bergwald lag. In der Mitte dieser Lichtung stand majestätisch ein 300 Jahre alter Gushu mit bunten Wimpeln geschmückt. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft sahen wir mehrere alte Teebäume. In einem Baum hing, wie ein Pandabär, ein Pflücker. Er pflückte die Blätter mit seligem Lächeln. Es war der erste Mann, den ich beim Pflücken sah; dem Anschein nach ein glücklicher Mann.

Das beeindruckendste Erlebnis in Gao Shan war das Kochen von Tee. Die erntefrischen Blätter werden in einem Schwung in einen Metallwok geworfen, der mit einem Holzfeuer auf ca. 250 Grad erhitzt wird. Das erste Wenden der Teeblätter sei enorm wichtig, sagte Yu Jinsong, weil sie bei der Hitze leicht verbrennen können. Der Teekocher wendet die Blätter mit der Eleganz eines Jongleurs, der zwanzig Bälle gleichzeitig in der Luft halten kann. Er sei der beste Kocher, meint Jinsong, er nehme ihn auch auf andere Plantagen mit. Mit ihm werde der Tee immer fehlerfrei produziert. Es braucht Ruhe und Geschick beim Wenden der Blätter, aber auch die richtigen Kommandos an die Kollegen, die die Temperatur regeln, indem sie Holzscheite dazulegen oder herausziehen.

In Lao Banzhang sahen wir einige Tage zuvor einen Teekoch, der schneller und hektischer wendete. Wir tranken am Abend seinen Tee, der etwas bitter schmeckte. Jinsong erklärte uns die Fehler des Tees und zeigte auf die leicht schwarzen Einschlüsse in den Teeblättern, die beim Kochen entstanden seien.

Ebenso wichtig wie das Kochen ist die Technik des Rollens. Die Blätter können horizontal gerollt werden wie ein Kuchenteig oder spiralförmig nach der alten Methode, die Yu Jinsong bevorzugt. Das spiralartige Rollen erfordert großes Geschick und Erfahrung.

Wir haben zwei frische Dian Hong Tees aus Yunnan eingekauft. Der Dian Hong Pure Gold ist spiralartig gerollt, der Dian Hong Needle ist zu kunstvollen, goldenen Nadeln gerollt.
 

Gyokuro Saemidori Premium, oder Schwarz ist Grün und Grün ist schwarz

05.08.2017 10:11 von Helmut Volkmann

 

Schwarz ist Grün und Grün ist Schwarz.

Der Duft von Gyokuro Saemidori, süße Seefrüchte, Algen, die süßen Düfte von Gras, das soeben mit der Sense geschnitten wurde, Sommerkräuter die der Wind zerstreut. Der Duft von Zheng Shan Xiao Zhang, zuckersüß, schwebende kleine Sommerwölkchen am sonst makellos blauen Himmel. Das beschwingte Schaukeln von Segelschiffen in einer leichten Sommerbrise, hell unbeschwert, fast schwerelos.

Wie zerfließendes warmes grünes Öl auf der Zunge, floral, fruchtig, den ganzen Mundraum ausfüllend. Jeder Winkel ist Wohlgeschmack. Umami sagen die Japaner, wenn sie den Geschmack des Gyokuro beschreiben.

Gelb, fast wie Blattgold erschmeichelt der Zheng Shan Xiao Zhang den Raum zwischen Zunge und Gaumen. Es ist ein Funkeln und Zischeln, wie von kleinen Tröpfchen Silber und Gold, die auf einem heißen Stein verdampfen.

Das Schlucken und die Explosion, das Feuerwerk von gelben Früchten, Marille, Aprikose, weißer Pfirsich. Man schluckt das lichte Grün und betrachtet den Nachklang, still, aufmerksam, reden verboten.

So viel ruhiger der Hong Cha. Süße, kristallklar, dann Südfrüchte, Orange, dann geheimnisvolle dunkle Schokolade. Die Ruhe einer Waldlichtung in den Bergen, früher Morgen, eine Bank. Der Blick über die grün dicht bewaldeten Gipfel. Zwei Vogelstimmen singen im Duett, so leicht und froh wie aus einer Mozartoper.

Oben ist unten, und unten ist oben, das sagt mein Zenlehrer oft, wenn er das Unzulängliche des dualen Denkens deutlich machen will.

Schwarz ist grün, und grün ist schwarz.

Wilde Menschen schreiben ein Buch

03.08.2017 11:18 von Helmut Volkmann

Wir trafen uns in Frankfurt bei Kai Schnoor. Wilde Menschen von der China Pu Erh - Reise 2017. Wir hatten auf der Reise beschlossen ein Buch über die Pu Erh Teegebiete zu schreiben. Ein verwegener Versuch. So trafen wir uns einen Sonntag lang in Frankfurt, wir Hamburger, Kieler, Freiburger, Stuttgarter, Züricher, Münchner und Kölner.

 

Wir probierten die frisch eingetroffenen Pu Erh Tees, die Yu Jingson in dieser Saison produziert hat. Erste Textentwürfe und Ideen wurden ausgetauscht.

 

Protokoll unserer Degustation:

 

Lao Man ´E Huang Pian Gushu

Kräuter, Salz, Lauch, grüner Knolauch, frisch, kraftvoll

 

 

Lao Man ´E Gushu 2017

Gebrannte Mandel (Mandelcreme), Creme Brullet, Kräuternoten, ein wenig Salz und Mineralik, Nektar, Orangenzeste, klare Struktur, breit, goldene Farbe

 

Taozi 2016 (Manzhuan, Pfirsichdorf)

Temperamentvoll, gelbe Früchte, Marille, volle satte Erscheinung

 

Jingmei 2013 Gushu (Wilde Menschen)

Cremig, Süße, Honig, Flieder, feminine grazile Erscheinung, cremige Textur, dickflüssig, breitere Struktur

 

Manzhuang 2014 (großes Dorf)

Gelbrote Erde, mineralisch, rund, volle, Karamell, Orange, Beerensüße, Mandel (Zusammenspiel von bitterem Mandelhäutchen und süßer Mandelfrucht)

 

Hong Er Duo (rot)

Roséfarbe, elegante Säure, Süße, horizontale Struktur, trotzdem Tiefe, lang andauernd im Nachklang, sehr komplex

 

Mao Er Duo 2017 (grün + + Hung Pian)

Süße, samtig, rosé Farbe, klar, vertikale Struktur, süße Beeren, wärmend, dicht, klare Tasse

 

Bo He Tan Mao Cha 2017 („Giraffen Gushu“ 20m hohe Bäume)

Dicht, voll, satt, rund, reich, seitige Textur, Süße, Mineralik, klare Struktur

 

Chawang Chu 2017 (Guafengzhai)

mineralisch, Tiefe, Wucht, feine Säure, silbrige Obertöne, Kristalle, wie eine große Wolke, feine Süße

 

Guafengzhai 2010 (1200 m, 35 km von Yiwuh/ abgelegen/ Yiao Volk/ Teebäume nicht geköpft, liegen im Schatten, 100 Jahre alte Gushus, einzigartige Bioshäre) Weich, Kamilletextur, Idee von Melone/ Honigmelone, Waldhonig, goldbraun, wie ein Waldboden, von der Sonne durchtränkt.

 

Diskussion und ein Filmvortrag über die Kunst der Herstellung von hochwertigen Ixingkannen.

Die wilden Tee - Menschen sind finster entschlossen ein Pu Erh Buch zu schreiben!

 

 

 

 

 

 

3 x Weltklasse vom Dong-Ding-Berg

25.06.2017 10:26 von Helmut Volkmann

„Was schenken wir Jinsong für seine Arbeit und seine Mühe?“ Das war Menglin Chous schwierigste Frage vor unserer Reise nach Yunnan in die Pu-Erh-Berge. Er möchte kein Geld von uns. Was können wir einem Teemenschen, einem Geschmacksfanatiker, der so gut wie nie Alkohol trinkt, schenken? Am besten wir fragen. Jinsongs Anwort: „Vielleicht einen gelagerten Oolong vom Dong-Ding-Berg, aber die gibt es sowieso nicht mehr.“

 

Da hatte er sich zum Glück getäuscht. Einige Wochen später meldet sich Menglin und teilt ganz aufgeregt mit, ihr Meister habe einen wirklich alten und gut gelagerten Oolong vom Dong-Ding-Berg gefunden. Es ist Quin Xin aus dem Jahr 1960. Ein Tee aus dem Jahr, als die Beatles noch The Silver Beatles hießen, Stücke von Buddy Holly nachspielten, und noch zwei Jahre bis zu ihrem ersten Hit Love me do brauchten. Ich war begeistert. Was für ein tolles Geschenk für einen Tee-Aficionado!

 

Geeignete Geschenke auszuwählen, ist zentral bei der Vorbereitung einer Reise nach Asien. In der Auswahl, in der Wertigkeit und in der Balance von Schenken und Beschenktwerden drücken wir den Respekt gegenüber dem Anderen aus. Für uns Nichtasiaten ein hochproblematischer Akt, an dem wir häufig scheitern. Aber wir sind geduldig und lernen. Dieser Dong Ding erwies sich als großartiges Geschenk für Jinsong. Die Reise in die Berge von Bulang und Yiwu, die er uns ermöglicht hat, war ein großer Erfolg und ein reiches Geschenk an uns.

Und meine anderen Geschenke kamen ebenfalls gut an: die Kakiemon-Tasse für Menglin, große Porzellankunst aus Imari, sowie Whiskey und Zigaretten für die Bauern in den Bergen.

 

Mit einigem Geschick und ein wenig Hartnäckigkeit habe ich eine kleine Menge des Vintage Dong Ding von Menglin und Atong Chen kaufen können: 1960 Dong Ding Salty Plum. Der Tee ist weich wie rubinrotes Öl, balsamisch auf der Zunge, dunkelrote Blüten und Karamell. Seine elegante Säure und das Mineralische erinnern an die in Taiwan typischen in Salz eingelegten Pflaumen.

 

Wir kauften zwei weitere Vintage Oolongs:

2005 Dong Ding Gui Fei, der Duft von dunklem Holz, tropischen Früchten, Mango, reifen Pflaumen – ein großer gelagerter Zikaden-Oolong vom Dong-Ding-Berg; und 2011 Dong Ding Dark Blossom, feine Säure, Kastanienduft, dunkle Blüten und Feuerstein.

Watanabe Kabuse Shincha 2017

24.05.2017 15:43 von Helmut Volkmann

 

Der erste frische Japantee des Jahres. Ich lasse die tiefgrünen und extrem feinen Blätter in meine offene Handfläche rieseln, gebe sie schwungvoll in eine offene schwarze Kyusu und gieße kaltes Spa-Wasser dazu. Nach einigen Momenten schütte ich einen Schuss richtig heißes Wasser dazu und gieße dann sofort ab. Der Duft aus der Schale ist von einer überwältigenden Frische. Diese Aufbrühmethode habe ich von Katsuya Matsumoto gelernt, dem Tea Maker von Sakura No. Sein Shincha Moe 2017 ist in meiner Schale.

Ich trinke aus einer Teeschale, die ich im April auf einer Reise durch Südjapan gekauft habe, genau zu der Zeit, als der Shincha Moe produziert wurde. Es war ein heißer Tag im Tal der Töpfer in Imari. Morgens um 10 Uhr war die Straße noch recht leer. Die Straße führt bergan, ist schmal, relativ steil und endet in einem Weg, der in den Bergwald führt. Rechts und links der kleinen Straße sind Töpfergeschäfte mit dem klassischen Imari-Porzellan. Hier und da ragt ein großer Schornstein in den Himmel. Dort wird das weltberühmte Porzellan gebrannt. Mein Freund Jiri und ich stöbern durch viele Geschäfte, kaufen gelegentlich auch etwas, doch richtige Begeisterung will nicht aufkommen. Fast am Ende der Straße folgen wir rechts einem kleinen Querweg Richtung Berg. Oben sehen wir ein kleines Haus mit offener Eingangstüre. In einem mit Tatami ausgelegten Raum sehen wir verblüffend schöne, weiße und seladonfarbene Teeschalen verschiedener Größe. Wir ziehen unsere Schuhe aus und lassen uns von der schlichten Schönheit, Kühle und Eleganz dieses weißen Goldes verzaubern. Die Preise der Schalen sind deutlich höher als unten an der Straße. Aber die Bemalung ist wunderschön und elegant. Die Schalen liegen leicht und angenehm in der Hand. Sie sind von einer ätherischen Kühle, als hätten Elfen sie geformt. Wir kaufen einige Stücke und heute bedauere ich, dass wir nicht mehr gekauft haben. Die Frau des Keramikers packt die Schalen ein mit ruhigen, gemessenen Bewegungen und einem stillen Lächeln.

Jetzt, beim Trinken des Shincha Moe, begreife ich erst richtig, welch phantastische Teeschale ich gekauft habe. Die seidige Textur des Shincha Moe entwickelt sich großartig in diesem kühlen Porzellan – ein überwältigendes Trinkerlebnis: Frische und Frucht verbinden sich harmonisch, Noten von frisch geschnittenem Gras, ölige Kräuterschleier, feine Adstringenz, die Andeutung von Sencha-Kraft und der große wolkige Nachklang von Mango und Marille. Katsuya Matsumoto von Sakura No hat in diesem Jahr einen wahrhaft großen Shincha produziert. Der Rohtee, Aracha, wurde am 25. April produziert, die finale Erhitzung (hi-ire) fand am Tag darauf statt. Das Pflückgut des Shincha Moe war von so überragender Qualität, dass es keiner Sortierung bedurfte.

Bei den Morimotos wurde über Nacht durchproduziert. Der Yukata Midori Kultivar, der auf einem Feld 260 m über dem Meeresspiegel wächst, war in diesem Jahr so spät gereift wie die klassische Yabukita. So mussten beide Felder fast zeitgleich geerntet werden. Die Töchter reinigten über Nacht die Produktionsanlage. Die Wettervorhersage schwankte zwischen Sonne und Regen bei Temperaturen von 21 bis 27 Grad. Doch alles hat geklappt. Am 28. April wurde das Shinchafeld mit Yukata Midori geerntet und der Tee ist bereits bei uns in Köln.
 

Die verbrannten Finger von Mahei. Vom Beharren und Weitergeben, Epilog einer Reise in die Berge Yunnans

13.05.2017 10:02 von Helmut Volkmann

 


Es ist 8:30 Uhr am Ersten Mai in Köln. Ich stehe im Merzenich, einer Filiale der größten Stadtbäckerei, die einzige, die offen hat, hier am Barbarossaplatz. Ich bestelle sechs Brötchen und zwei Croissants. Ich habe mich nicht von Frau und Kindern am Bahnhof abholen lassen nach der weiten Reise. Es ist noch zu früh, finde ich, und außerdem wollte ich ankommen ohne Pathos und Gejubel, springende Kinder und ausgeflippten Hund.

Vor dem Merzenich die Reste der Nacht. Um die Ecke spuckt das Privilege Gäste aus, die zur Straßenbahn wanken. Vier Spanischsprechende haben sich um eine Gitarre versammelt und grölen einen alten spanischen Hit, holprig und heiser, die Flaschen kreisen. Gegenüber torkeln Gestalten aus dem McDonald’s. Der Barbarossaplatz, einst ruhmreich und prächtig, ist einer der hässlichsten Plätze Kölns. Am frühen Morgen spüre ich hier, wie nirgendwo sonst, die Verzweiflung, das Ringen um Anerkennung, das Strampeln und Strecken, ein Zucken, wie von Fischen, die im Netz an Land gezogen werden. – So wollte ich ankommen in meiner Stadt, mit einem Schock im ungeschminkten Hier und Jetzt. Da bin ich!

Die Straßen sind feucht. Es fisselt, wie man hier zu Nieselregen sagt. Ich ziehe die Kapuze meines Sweatshirts hoch, beide Jacken übereinandergezogen. Ich lasse den Rewe Citymarkt links liegen. Auf der Luxemburger Straße ist es ruhig so früh am Feiertag. Scherben von Bierflaschen liegen überall auf dem Gehweg. Rechts das Luxor, links der kleine Alternative-Club und der türkische Nachtkiosk. Die Scherben glänzen wie Glasmurmeln im Regen. Die Bahnunterführung, Taubenscheiße auf dem Boden. Ich schaue mir die Plakate an. Welche Bands kommen in die Stadt? Welche Bands kenne ich überhaupt? Ich biege links in meine kleine Straße ein. Das nasse Kopfsteinpflaster glitzert wie eine Eisfläche unter dem grauen Himmel. Die Bäume sind grüner geworden und bilden ein Spalier; ein Morgenappell grüner Soldaten zum Ersten Mai. Vereinzelte Maibäume mit bunt flatternden Bändern. Noch schlafen die so geehrten Liebsten den Mairausch aus in ihren Betten.

Ich stehe vor unserem Haus, erbaut 1901 von den Jesuiten und blicke hoch zu den riesigen Rundbogenfenstern. Auf halber Treppe stürzt mir schwanzwedelnd Pinto entgegen, unser Australian Shepherd. Erst jetzt merke ich, wie sehr ich ihn vermisst habe. Komme etwas atemlos im vierten Stock an. Alba, unsere Tochter, kommt aus ihrem Zimmer gerannt, ein Dreierknäuel aus Frau, Tochter und Hund. Mein Sohn ist noch bei einem Freund, bei dem er übernachtet hat. Frühstück mit Brötchen und Croissants und Marmelade nach drei herrlichen Wochen mit Reis und Nudelsuppe.

Mein Kopf ist voll. Ich erzähle ein wenig, zunächst beim Frühstück, dann beim Milchkaffee. Sie haben meinen Blog gelesen und erkundigen sich nach Einzelheiten. Wie war das mit der Wanderung und der Polizei? Warum durftet ihr den Weg am Bach entlang nicht gehen?
Sie erzählen von der Kommunionsfeier unserer Freunde am Vortag. Die Kinder haben Ball gespielt und Pinto hat ihnen den Ball immer wieder abgejagt. Ich bin schneller wieder zu Hause, als ich mir vorstellen konnte. Es ist wie am Atlantik: Man setzt einen Fuß ins Wasser, dann kommt der erste Wellenkamm und schon ist man klatschnass. Ich kann gar nicht anders, ich muss einfach springen.

Meine Reise durch Yunnan begann auf drei Holzstühlen und mit einer kurzen Nacht auf dem Flughafen von Jinghong. An Schlaf hatte ich nicht gedacht, als ich die Stühle nachts um zwei zusammenschob. Es war mehr ein Wegschieben des Zweifels. Doch ich habe geschlafen. Eine erste Lektion in Beharrlichkeit, und es sollten weitere folgen.

Das Töpfern bei den Dai in Jinghong war schön anzusehen, aber die eigenen Versuche mühsam. Ich blieb gelassen. Die Müdigkeit von der Nacht am Flughafen steckte mir noch in den Knochen. Als Mann der Töne war ich dem Ton gegenüber freundlich gesonnen. Der entstandene Chawan ist nun ein Salzfass in unserer Küche. Das war Lektion zwei.

Die großen alten Teebäume in Lao Banzhang, König und Königin des Waldes genannt, eine Teepflückerin, die wie eine Wildkatze in den Ästen hängt und den wertvollsten Tee der Welt pflückt. Der bittersüße Geschmack von frischen jungen Blatttrieben auf dem Olymp der Pu-Erh-Welt: Das macht mich dankbar, bescheiden und ruhig.

Das Lachen der zwei Kinder von Zhang Lang hat uns einen ganzen Tag begleitet, bis hinauf zum Tempel auf dem Dach der Ba Da Berge, dem Himmel ganz nah. Der Hinayana-Priester gibt uns seinen Segen. Das Band, das er mir um das rechte Handgelenk legte, trage ich heute noch. Die Kinder bekamen Süßes aus der Schweiz und lachten.

Zweimal verbrannte ich mir die Finger. Ich hatte mich entschieden, nicht am Wok zu stehen und die Blätter zu wenden, zu kochen, wie man sagt. Doch es kam anders. Das Wenden klappte gut. Ich hielt meine Bewegung für ruhig und kontrolliert. Die Partie, die meine Kollegen und ich gekocht hatten, war die einzige, die von den Profis und Jinsong für gut befunden wurde. Und doch: Einmal zu tief gegriffen, das Wenden zu schwungvoll, die Blätter zu hochgeworfen, korrigiert, und mit den Fingern auf das Metall gefasst. – Verbrannte Fingerspitzen die Erste.

Während des Tastings auf einem Bauernhof in Mahei steht Jingson auf, tippt mir auf die Schulter und sagt, mach du weiter. Wir probierten neuen Tee, Mao Cha. Der Gaiwan war riesig. Es gab zwei davon. Die Blätter waren groß, dürr und sehr sperrig. Ich füllte Tee in die Gaiwans. Dann goss ich den ersten bis zum Rand voll, dann den zweiten. Deckel drauf, ein paar Sekunden gewartet und abgegossen. Ein, zwei, drei Sekunden voller Schmerz. Der Gaiwan zitterte in der Hand beim Ausgießen. Besonders froh sah ich bestimmt nicht aus mit den verbrannten Fingern. Und alle schauten zu: meine Kollegen in der ersten Reihe, dahinter die Leute vom Hof, die Leute vom Dorf und der General. – Toll.

Vor dem zweiten Aufguss zeigte mir Jinsong, wie man den Gaiwan bändigt. Man greift ihn mit einer extremen Spreizung zwischen Daumen und Ringfinger – gut, dass ich Gitarristenpfoten habe. Der Zeigefinger knickt in der Deckelmulde ab, so dass das erste Fingerglied Druck auf den Deckel ausüben und dem Ganzen beim Ausgießen Stabilität geben kann. Die Ausgießbewegung soll ganz aus dem Handgelenk kommen, nicht aus einer Armdrehung. Und: Der Gaiwan wird nur bis 1 cm unter den Rand gefüllt, so dass man ihn besser anfassen kann.

Der zweite Aufguss gelang viel besser. Beim dritten Aufguss lächelte ich. Die Finger schmerzten noch zwei Tage lang. Ich hatte verstanden, hatte den Gaiwan nicht zurück an Jinsong gegeben, hatte seinen Rat befolgt und das Gesicht gewahrt. Beharren, nicht nachgeben – die verbrannten Finger von Mahei.

Der zauberhafte, flüchtige Duft von Katzenohren. Können Katzen lächeln, frage ich mich auf dem Berghang von Yibang, einem der berühmtesten und ältesten Teeberge in Xinshuangbanna, links des Flusses.

Immer wieder probierten wir Tee von großer Qualität, absolute Raritäten. Es war nicht leicht, immer wieder in die Ruhe zu kommen, um dem Tee neu und offen zu begegnen. Am letzten Tag in Yiwu lernten wir noch einmal neu zu schmecken. Bei jedem Tee kommt es mir vor, als ob ich vor einem weißen Blatt Papier säße. Ich betrachte ruhig, wie Schraffuren entstehen, Schattierungen, erste Konturen, Figurenhaftes, Schemen, die zu Gestalten werden. Ich durchdringe Schicht für Schicht, wie bei einem Gemälde von Frank Auerbach, entdecke immer wieder eine neue Facette, eine neue Schattenlinie. Es verändert sich von Aufguss zu Aufguss, Manches bleibt, Anderes geht und mit der Zeit entsteht ein Bild mit Tiefe und Nachklang.

Bei meinem Versuch über Tee lernte ich an diesem Nachmittag in Yiwu, Analyse, Assoziation und Genuss zu verbinden. Diese Idee von Begegnung mit Tee möchte ich gerne weitergeben.

Mein herzliches und tiefes Dankeschön für die Erfahrungen und Erlebnisse geht an Menglin & Jinsong, Jane & schwarze Yogakatze und meine Freunde aus der Schweiz & Deutschland
 

Epilog: Weitergeben - Beharren

06.05.2017 10:07 von Helmut Volkmann

 

Der Blick von meinem Schreibplatz aus, heute morgen um sieben Uhr. Ich bin jetzt seit sechs Tagen wieder zu Hause. Mein Mitarbeiter Marc hat seinen frisch geborenen Sohn in den letzten drei Wochen nur nachts gesehen. Er hat jetzt erst einmal ein paar Tage frei. So bin ich schneller wieder im Alltag, im täglichen Geschäft von Telefonaten, Gesprächen und Organisationskram.

In Kürze werde ich einen kleinen rückblickenden Text über die Reise Japan/ China 2017 in den Blog stellen. Das Grundgerüst steht schon, die Überschrift auch. Über das Weitergeben und Beharren. Weitergeben ist das Motto unseres Gao Shan - Fladens und irgendwie auch die Idee, die innere Vibration, die hinter dieser unserer Reise nach Yunnan stand.

Jinghong am Mekong

29.04.2017 12:44 von Helmut Volkmann

 

Mit 90 kmH im Tiefflug durch Jinghong.

 

 

I´d like to have six very cold beer, Originalton von Miguel in die Übersetzungsapp von Baidu gesprochen. Das Bedienungspersonal rollt sich weg vor Lachen und wir bestellen zwei große Flußfische, die im Sud am Tische gegrillt werden, alles per Übersetzungsapp und mit wahnsinnig viel Spaß. Das Essen endet in einer einzigen Foto und Gruppenselfie - orgie. Die Jungs vom Fischrestaurant haben ihre Tagesstory.

 

 

Über dem Mekong aus dem 12. Stock. Wir haben ein sensationelles Flat direkt am Mekong gemietet. In der Glaskanne 2012 Lala Shan Quin Xin einer der besten Oolongs ever! Dieser Tee braucht Ruhe, dieser außergewöhnlich gute Tee verbreitet Ruhe. Wir trinken Lala Shan 2012 von 15.00h bis 18.00 und schauen auf den Fluß. Die Ruhe nach der Reise.

 

Gewitter über dem Mekong.

 

 

Nach dem Gewitter.

 

 

Brücke über dem Mekong, nachts.

 

 

Vorbereitung für den Nachtmarkt am Mekongufer.

 

 

Yeah, was für ein Label - Name.

 

 

Brücke über dem Fluß, nachts.

 

 

Wir haben das Restaurant von vor vier Jahren mit den roten Lampions wiedergefunden. Unsere erste Bestellung mit der chinesischen Übersetzungapp Baidu fällt etwas spärlich aus. Wir bestellten Schwein und zwei Gemüse - es kam Schwein und zwei Teller mit frischen Salatblättern. Aber die Qualität des Starkbiers ist sensationell. Richtiges Bier nach den Wochen mit isothonischen Kaltgetränken.

 

 

Steffi verhandelt nach.

 

 

Das andere Mekongufer, links vom Fluß.

 

 

Der Schwung der Brücke.

 

 

Live - Musik, chinesische Schlager mit Metallgitarre, nicht schlecht.

 

 

Unser Tower, unser Flat.

 

 

Nachtmarkt.

 

 

Guten Nacht aus Jinghong. Morgen steige ich in den Flieger und bin in zwei Tagen in Deutschland. Liebe Grüße aus Xinshuangbanna.

 

 

Dies ist das Produkt unserer Reise.

 

Pu Erh - Fladen Gao Shan 2017, produziert von den 20 Mitreisenden, unter Anleitung des Kochers von Gao Shan und Yu.

 

der Text auf dem Fladen:

 

links: 2017 Frühlingsreise in die Teeberge Yunnans

 

rot: Gaoshan Dorf

 

große Zeichen: Chuan Cheng = Weiter - Geben

                          Song Yun Caotong, Yu Jin Song

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schöpfen von Papier und Schaffen von Shou Pu Erh ohne Bilder

29.04.2017 12:28 von Helmut Volkmann

 

Yiwu morgens um sechs. Die Nachtruhe ist zu Ende.

 

 

 

Bäuerin gegenüber meines Fensters, den Verkehr beobachtend.

 

 

Wir begutachten den Brand unserer selbst gefertigten Töpferwaren im Dai - Stil.

 

 

Wir besuchen in Menghai eine Show - Pu Erhalten Factory. Es ist wie vor vier Jahren. Fotos sind definitiv nicht erlaubt. Sie haben hier schlechte Erfahrungen mit der Verbreitung von Fotos über die Produktionsschritte von Shop - Pu Erh gemacht.

Die Arbeitsschritte in der Factory:

1. Sortieren von Hand

2. Sortieren von der Maschine

3. Aussieben im Kreis

4. Siebung über negative Ionen
 
5. Siebung durch Wind

6. Die Stängel werden vom Blatt getrennt (wie  in Japan, Trennung von Kukis)

7. Die Befeuchtung des Tees, die Blätter müssen weicher werden

8.  In Form gedrückt

9. Trockenraum, dunkel, bei 40 Grad

10. Fermentation angefeuchtet unter der Folie


Wir probieren mit Yu und Herrn Hu Tee. Hier hätte fotografiert werden können, doch meine Kamera liegt im Bus und ich will ungern Lao Banzhang Pasha verpassen.

Lao Banzhang Pasha (das ist der Kultivar) aus 2017. Einer der ganz großen Lao Banzhang Tees dieses Jahres. Herr Hu („Big Boss“) spendiert eine Lage seines aboluten
Weltklassetees.

1. Aufguss: große Präsenz
2. Aufguss: volle Wucht, Breite, Länge
3. Aufguss: dichte Frucht, weiche Tannen, der Tee wird breiter
4. Aufguss: weich, zurückgenommen, Süße, weniger Kraft, verliert Tannen, behält die Präsenz
5. Aufguss: Süße, dicht, Harmonie, sehr rundes Mundgefühl
6. Aufguss: Süße, langes Echo. Ein sehr gut gekochter Tee.


2. Tasting: Lao Banzhang Gushu,  Shou Pu Erh.

1. Aufguss: weich, leichter Kampferton, kühl
1. Aufguss: dichter, kühl, Minze, leichter Melasseton.

Dann kommt der Aufbruch.

 

 

Besuch in deiner traditionellen Factory für handgeschöpftes Papier.

oben: die frisch geschöpfte Papierbahn wird glattgestrichen.

 

 

Die Masse aus Baumfasern und Leim wird ins Wasserbad gegeben.

 

 

Die Mischung wird tüchtig verquirlt.

 

 

Der Rahmen wird mehrmals durch das Bad gezogen.

 

 

 

 

 

 

Die Arbeiterin zieht den Rahmen mit dem noch flüssigen  Papierfilm aus dem Bad.

 

 

Die Rahmen stehen zum trocknen unter der Sonne.

 

 

Unter der Rindes dieses Baumes liegen die Fasern, die zur Papiergewinnung benötigt werden.

 

 

 

Die Chefin der Factory. Innerhalb von 10 Minuten ist die Tagesproduktion an uns ausverkauft. Die Chefin strahlt still.

 

 

Am Abend das Abschiedsessen im Hotel mit dem so vertrauten Tuborg Superlight.

 

 

Monika hat Geburtag und Jinsong organisierte spontan eine Geburtstagstorte.