2017/9 Japan/ Chinareise:Die Töpferkunst der Dai, Weltkulturerbe und über 4500 Jahre alt

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Xinxuangbanna , morgens um acht, nach einer Nacht auf Holzstühlen und Häppchenschlaf, eine kleine Airport Gong Fu Cha. Die chinesische Nachbarin schaut uns verwundert, fast ein wenig bewundernd zu.

Wir treffen alle Mitreisenden und Yu mit seinen drei chinesischen Kolleginnen um zwölf, gehen zum Mittagessen und fahren in eine tradionelle Dai-Töpferei. Sie liegt in einer kleinen Seitenstraße in einem Hinterhof auf der anderen Seite des Mekong. Der Stadtteil ist lebendig, es gibt Straßenstände, ständig zischt ein Elektroroller von hinten an einem vorbei, so dass die Hosenbeine flattern. Toll, back in China again. Es riecht, es duftet nach Markt, Lebensmitteln  und verbranntem Holz. Hinter einem Eisentor, bewacht von einem sehr unfreundlichen Schäferhundmischling, in einem Verschlag, zum Glück. Die die Töpferei liegt unter einem flachen Hofdach. Links die großen Holzvorräte, davor eine große Menge Ton unter einer Folie, damit er nicht austrocknet.

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Das Töpferhandwerk der Dai hat eine 4500 Jahre lange Tradition. Es gehört heute zum Weltkulturerbe. Hier in dieser Töpferei treffen sich Mitarbeiter der Uno um dieses alte Handwerk zu erlernen. Typisch für die Dai-Töpferei ist der helle und unglasierte Scherben. Der dunklere Scherben entsteht durch einen reduzierten, (weniger Sauerstoff) Brand.

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Ein typisches Dai - Muster das der Schrei des Drachen, genannt wird, auf einem hellen Scherben.

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Dieses traditionelle Muster heißt der Tausendfüssler.

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Die Töpfermeisterin zeigt uns den Ofen. Wenn nicht, gebrannt wird, kochen wir hier meint sie. Wir sehen einen Schuppen, in der Mitte einen Feuerring für den Kochtopf, Werkzeug und Holzreste und Gerümpel. Der Schuppen hat ein flaches Dach und keine Öffnung nach oben. Von einem Ofen ist nichts zu sehen. Späte erklärt sie uns anhand einer Fotosequenz, wie ein traditioneller Dai-Ofen aufgebaut wird.

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Die Töpfermeisterin beginnt mit der Arbeit an einer Schale. Der Ton wird zunächst einmal weich geknetet und ein wenig befeuchtet.

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Dann wird er zu einem falschen runden Küchlein geschlagen.

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Aus dem Küchlein wird ein Rand geformt wie bei einem Erdbeertörtchen.

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Sie zieht nun in verschiedenen Phasen eine Tonwand nach der anderen hoch. Die kleine Töpferscheibe wird dabei langsam mit dem linken Fuß gedreht.

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Dann wird die Außenhaut mit einem flachen Holzwerkzeug geplättet und verdichtet. Die Risse der einzelnen Tonaufbauten verschwinden und verbinden sich.

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So wird wie bei einem Schichtkuchen die Schale oder der Topf aufbebaut. Dann wird unter schnelleren Drehungen das Gefäß mit einem nassen Tuch feiner geformt und die Oberfläche glatt gestrichen.

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Mit dem flachen Holzspatel wird die Oberfläche geformt und verdichtet.

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Jetzt sind wir dran. Unter fachkundiger Anleitung versuchen wir uns an dem oben beschriebenen Schaffensprozeß. Das gelingt dem einen mehr, dem anderen weniger.

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Die Töpferfamilie hilft natürlich mit. So kommen wirklich gute Stücke zustande. Die Arbeit mit der kleinen Töpferscheibe, die mit Fuß oder mit der Hand bewegt wird kann man recht schnell begreifen. Die Arbeit mit den Händen ist da schon schwieriger. Ich entdecke mich mal wieder mehr als einen Mensch der Töne und nicht des Tons.

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Der Aufbau eines tradionellen Dai - Ofens. Ich fotographiere eine Bildserie ab, daher ist die Bildqualität nicht besonders gut.die in der Töpferein an der Wand hängt. Ein festlicher Töpferakt, wie mir scheint. Der Informationsgehalt ist aber großartig.

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Aufstellung der Tonwaren.

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 Die Töpferwaren werden von Holzschichten und Stroh eingerahmt oder umringt.

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Dann wird in der nächsten Schicht große Strohbündel darüber gelegt. Über die Strohschichten wird ein Kokon aus Ton geschaffen. Das Grab der Töpfe, so scheint es mit. Die Verwandlung kann beginnen.

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Dieser Haufen Tonasche, darunter die Tongefäße, bleibt nach dem Brand über.

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Dies sind unsere Artefakte. Sie trocknen in der Sonne. Später werden sie in den Schatten gestellt. Es ist heiß hier in Jinghong, die Sonne brennt bei über 30 Grad.

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 Ein sehr schön geformter Teetisch und Teeprodukte zur Teezeremonie. Alles ist aus Dai - Ton geschaffen.

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Zum Abschluss gibt die Tochter des Hauses ein Hofkonzert. Sie spielt zum einem Playback aus einer plärrenden kleinen Plastikkiste ein wunderschöne tradionelles chinesisches Stück. Die Phrasierungen  und Verziehrungen der Melodie sind schön ausgespielt. Sie bewegt sich wie ein Bambusrohr im Wind, leicht und beschwingt, großer Abschlußbeifall und der Hofhund schickt uns bellend grimmige Grüße aus seiner Hütte.

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Draußen vor dem Tor der Töpfer das laute und quirlige Stadtleben von Jinghong.

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 Pu Erh - Tasting in einer Seitenstraße unseres Hotels. Wir trinken zwei Mao Cha Pu Erhs und zwei Cha Tous. (dunkle oder Chou Pu Erhs)

Eine gute kleine Lernstunde. Nicht alle Tees aus Menghai sind wirklich großartig. Aber die Teefamilie ist freundlich und wir bedanken uns höflich.

 

 

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